Kalkentfernung Schulter

Moderne Behandlung der Kalkschulter

Einführung & Überblick

Die Kalkentfernung an der Schulter ist ein bewährtes Verfahren zur Behandlung der Tendinosis calcarea, auch bekannt als Kalkschulter. Bei dieser Erkrankung lagern sich Kalziumphosphat-Kristalle in den Sehnen der Rotatorenmanschette ab und verursachen starke Schmerzen sowie Bewegungseinschränkungen.

Eine operative Kalkentfernung wird notwendig, wenn konservative Behandlungsmethoden wie Physiotherapie, Medikamente oder Stoßwellentherapie nicht zum gewünschten Erfolg führen. Besonders bei persistierenden Beschwerden über mehr als sechs Monate und erheblicher Beeinträchtigung der Lebensqualität stellt die minimalinvasive Kalkentfernung eine effektive Lösung dar.

Die moderne arthroskopische Kalkentfernung bietet entscheidende Vorteile: geringe Belastung für den Patienten, präzise Entfernung der Kalkdepots und schnelle Rehabilitation mit ausgezeichneten Langzeitergebnissen.

Medizinischer Hintergrund

Anatomie der Schulter

Das Schultergelenk ist das beweglichste Gelenk des menschlichen Körpers und besteht aus dem Oberarmkopf und der Gelenkpfanne des Schulterblatts. Die Rotatorenmanschette, ein Komplex aus vier Sehnen, stabilisiert das Gelenk und ermöglicht die komplexen Bewegungsabläufe. Besonders häufig ist die Supraspinatussehne von Kalkeinlagerungen betroffen.

Ursachen der Kalkschulter

Die Entstehung der Tendinosis calcarea ist multifaktoriell bedingt. Degenerative Prozesse im Sehnengewebe, verminderte Durchblutung und mechanische Überlastung können zur Bildung von Kalkdepots führen. Frauen zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr sind besonders häufig betroffen, wobei hormonelle Faktoren eine Rolle spielen können.

Symptome und Beschwerden

Patienten mit Kalkschulter leiden unter charakteristischen Beschwerden: akute, stechende Schmerzen bei Bewegung, nächtliche Ruheschmerzen, die den Schlaf beeinträchtigen, und zunehmende Bewegungseinschränkung mit typischem „Painful Arc“ zwischen 60° und 120° Armhebung. Die Schmerzen können bis in den Oberarm ausstrahlen und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.

Diagnostik

Die Diagnose einer Kalkschulter erfolgt durch eine Kombination aus klinischer Untersuchung und bildgebenden Verfahren. Röntgenaufnahmen zeigen die Kalkdepots deutlich als röntgendichte Strukturen. Die Magnetresonanztomographie (MRT) liefert zusätzliche Informationen über die exakte Lokalisation und mögliche Begleitverletzungen der Rotatorenmanschette.

Die Operation im Detail

Operationsmethoden

Die moderne Kalkentfernung erfolgt bevorzugt arthroskopisch (minimalinvasiv) über kleine Hautschnitte von etwa 5-8 mm Länge. Diese Schlüssellochtechnik ermöglicht eine präzise Visualisierung und schonende Entfernung der Kalkdepots. In seltenen Fällen komplexer Befunde kann eine offene Operation erforderlich sein.

Ablauf der Operation

Der arthroskopische Eingriff erfolgt in mehreren Schritten: Nach der Desinfektion und sterilen Abdeckung werden zunächst die Kameraoptik und die Arbeitsinstrumente über kleine Zugänge eingeführt. Unter direkter Sicht wird das Kalkdepot lokalisiert, die Sehne vorsichtig eröffnet und das Kalkmaterial vollständig entfernt. Abschließend wird die Sehne geglättet und der Gelenkraum gespült.

Dauer und Anästhesie

Die Operation dauert in der Regel 30-45 Minuten und wird meist in Vollnarkose durchgeführt. Alternativ ist eine regionale Betäubung (Plexusanästhesie) möglich, bei der nur der Arm betäubt wird.

Moderne Techniken

Modernste HD-Kamerasysteme und spezialisierte Instrumente ermöglichen eine präzise und schonende Kalkentfernung. Die kontinuierliche Spülung des Gelenks sorgt für optimale Sichtverhältnisse und entfernt Kalkpartikel zuverlässig.

Vor der Operation

Vorbereitung und Aufklärung

Eine ausführliche Patientenaufklärung über den Eingriff, mögliche Risiken und den Heilungsverlauf ist essentiell. Der Operateur erklärt die Operationstechnik und beantwortet alle Fragen des Patienten.

Notwendige Untersuchungen

Vor der Operation sind Blutuntersuchungen, ein EKG und gegebenenfalls weitere internistische Abklärungen erforderlich. Die Narkosevoruntersuchung erfolgt durch den Anästhesisten.

Medikamentenanpassung

Blutverdünnende Medikamente müssen nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt rechtzeitig vor der Operation abgesetzt werden. Die genauen Zeiträume werden individuell festgelegt.

Verhaltensregeln

Am Operationstag sollten Patienten nüchtern erscheinen (keine Nahrung und Flüssigkeit 6 Stunden vor der Operation). Wertgegenstände sollten zu Hause bleiben, und eine Begleitperson für den Heimweg sollte organisiert werden.

Nach der Operation

Unmittelbare Nachsorge

Nach der Operation wird der Arm zunächst in einer Schlinge ruhiggestellt. Die Überwachung im Aufwachraum gewährleistet eine sichere Erholung von der Narkose.

Krankenhausaufenthalt

Die arthroskopische Kalkentfernung kann häufig ambulant durchgeführt werden. Bei komplexeren Fällen ist ein kurzer stationärer Aufenthalt von 1-2 Tagen möglich.

Schmerzmanagement

Eine effektive Schmerztherapie ist entscheidend für den Heilungsverlauf. Moderne Schmerzmedikamente und lokale Kälteanwendungen lindern die postoperativen Beschwerden wirksam.

Wundpflege

Die kleinen Hautschnitte heilen meist problemlos ab. Wasserdichte Pflaster ermöglichen das Duschen bereits nach wenigen Tagen. Die Fäden werden nach 10-14 Tagen entfernt.

Rehabilitation & Nachbehandlung

Physiotherapie-Konzept

Die Rehabilitation erfolgt in einem dreiphasigen Konzept: Phase 1 (0-2 Wochen) konzentriert sich auf Schmerzreduktion und passive Bewegung. Phase 2 (2-6 Wochen) beinhaltet die schrittweise Aktivierung und Kräftigung. Phase 3 (ab 6 Wochen) zielt auf die vollständige Funktionswiederherstellung ab.

Zeitplan der Heilung

Die Heilung verläuft individuell unterschiedlich. Erste Verbesserungen sind oft bereits nach 2-3 Wochen spürbar. Die vollständige Rehabilitation dauert typischerweise 3-4 Monate.

Bewegungsübungen

Spezielle Übungen fördern die Beweglichkeit und Kraft der Schulter. Anfangs stehen passive und assistierte Bewegungen im Vordergrund, später folgen aktive Kräftigungsübungen.

Rückkehr zu Sport und Beruf

Die Rückkehr zum Arbeitsplatz ist bei Bürotätigkeiten nach 1-2 Wochen möglich, bei körperlich anspruchsvollen Tätigkeiten nach 6-8 Wochen. Sportliche Aktivitäten können schrittweise nach 8-12 Wochen wieder aufgenommen werden.

Risiken & Komplikationen

Allgemeine Operationsrisiken

Wie bei jedem operativen Eingriff bestehen geringe Risiken für Infektionen, Blutungen oder Narkosekomplikationen. Die Häufigkeit liegt unter 1%.

Spezifische Risiken

Seltene spezifische Komplikationen können Verletzungen von Nerven oder Gefäßen, unvollständige Kalkentfernung oder Verklebungen im Gelenkraum sein. Das Risiko liegt bei erfahrenen Operateuren unter 2%.

Risikominimierung

Die Wahl eines erfahrenen Schulterchirurgen, moderne Operationstechniken und eine sorgfältige Nachbetreuung minimieren das Komplikationsrisiko erheblich.

Erfolgsaussichten & Prognose

Heilungschancen

Die Erfolgsrate der arthroskopischen Kalkentfernung liegt bei über 90%. Die meisten Patienten erleben eine deutliche Schmerzreduktion und Verbesserung der Beweglichkeit.

Langzeitergebnisse

Langzeitstudien zeigen, dass die Verbesserungen auch nach Jahren stabil bleiben. Rezidive sind selten und treten in weniger als 5% der Fälle auf.

Funktionsverbesserung

Patienten erreichen in der Regel wieder ihre ursprüngliche Schulterfunktion. Viele können ihre gewohnten Sport- und Freizeitaktivitäten vollständig wieder aufnehmen.

Patientenzufriedenheit

Studien belegen eine hohe Patientenzufriedenheit von über 95% nach arthroskopischer Kalkentfernung. Die Kombination aus Schmerzreduktion und Funktionsverbesserung führt zu einer erheblichen Steigerung der Lebensqualität.

Haben Sie Beschwerden?

Nehmen Sie gerne Kontakt mit mir auf!

Haben Sie Fragen zu Ihrer Schultergesundheit oder möchten Sie einen Termin vereinbaren? Wir sind für Sie da und beraten Sie gerne persönlich. Schreiben Sie uns – wir kümmern uns um Ihr Anliegen.