Einführung & Überblick
Die Kalkschulter Operation ist ein bewährtes chirurgisches Verfahren zur Behandlung der Tendinosis calcarea, bei der sich Kalkablagerungen in den Sehnen der Rotatorenmanschette bilden. Diese minimal-invasive oder offene Operation entfernt gezielt die schmerzhaften Kalkdepots und stellt die normale Schulterfunktion wieder her.
Eine operative Behandlung wird notwendig, wenn konservative Therapien wie Physiotherapie, Stoßwellentherapie oder Medikamente nach sechs bis zwölf Monaten keine ausreichende Besserung bringen. Besonders bei großen Kalkherden über einem Zentimeter oder bei persistierenden Beschwerden bietet die Operation eine zuverlässige Lösung mit sehr guten Erfolgsaussichten.
Die moderne Kalkschulter Operation zeichnet sich durch minimale Gewebeschädigung, kurze Operationszeiten und eine schnelle Rehabilitation aus, wodurch Patienten meist innerhalb weniger Wochen zu ihren gewohnten Aktivitäten zurückkehren können.
Medizinischer Hintergrund
Die Schulter besteht aus einem komplexen Zusammenspiel von Knochen, Muskeln und Sehnen. Das Schultergelenk wird hauptsächlich durch die Rotatorenmanschette stabilisiert, eine Gruppe von vier Sehnen, die den Oberarmkopf umschließen. Die Supraspinatussehne ist am häufigsten von Kalkablagerungen betroffen, gefolgt von der Infraspinatussehne.
Ursachen der Kalkschulter
Bei der Tendinosis calcarea lagern sich Kalziumkarbonatablagerungen in den Sehnen ab. Diese entstehen durch eine Minderdurchblutung der Sehne, häufig ausgelöst durch mechanische Überlastung oder altersbedingte Verschleißprozesse. Der Kalk führt zu einer chronischen Entzündungsreaktion im umliegenden Gewebe.
Symptome und Beschwerden
Typische Symptome umfassen nächtliche Schulterschmerzen, die oft in den Arm ausstrahlen, eingeschränkte Beweglichkeit besonders beim seitlichen Anheben des Arms, sowie akute Schmerzattacken beim Überkopfarbeiten. Viele Patienten berichten von einem charakteristischen „Einklemmungsgefühl“ in der Schulter.
Diagnostik
Die Diagnostik erfolgt zunächst durch eine gründliche körperliche Untersuchung mit spezifischen Funktionstests. Röntgenaufnahmen zeigen die Kalkdepots deutlich als weiße Schatten. Eine Ultraschalluntersuchung kann zusätzliche Informationen über Größe und Konsistenz der Ablagerungen liefern. In komplexen Fällen wird eine Magnetresonanztomographie (MRT) durchgeführt, um begleitende Sehnenrisse auszuschließen.

Die Operation im Detail
Moderne Kalkschulter Operationen werden überwiegend arthroskopisch, also minimal-invasiv durch kleine Hautschnitte, durchgeführt. Diese Schlüssellochtechnik ermöglicht eine präzise Entfernung der Kalkdepots bei minimaler Gewebeschädigung. Bei sehr großen oder schwer zugänglichen Kalkherden kann ein offener Zugang erforderlich sein.
Ablauf der operativen Behandlung Schritt für Schritt
Der arthroskopische Eingriff beginnt mit der Einführung einer dünnen Kamera (Arthroskop) durch einen etwa fünf Millimeter großen Hautschnitt. Über einen zweiten Zugang werden spezielle Instrumente eingeführt. Der Operateur lokalisiert zunächst die Kalkablagerungen und eröffnet die betroffene Sehne vorsichtig. Die Kalkdepots werden mechanisch entfernt und das umliegende entzündete Gewebe gesäubert.
Bei größeren Defekten in der Sehne nach der Kalkentfernung erfolgt eine Naht zur Wiederherstellung der Sehnenkontinuität. Abschließend wird der Raum unter dem Schulterdach (Subakromialraum) gereinigt und bei Bedarf erweitert, um weiteren Einklemmungen vorzubeugen.
Dauer des Eingriffs
Die Operationsdauer beträgt in der Regel 30 bis 60 Minuten, abhängig von Größe und Anzahl der Kalkdepots. Der Eingriff wird meist in Vollnarkose durchgeführt, wobei zusätzlich eine regionale Betäubung (Interscalenusblock) die postoperativen Schmerzen deutlich reduziert.
Moderne Techniken und Instrumente
Modernste Instrumente wie Hochfrequenz-Elektroden und Shaversysteme ermöglichen eine besonders schonende und präzise Kalkentfernung. Intraoperative Röntgenkontrollen stellen sicher, dass alle Kalkablagerungen vollständig entfernt wurden.
Vor der Operation
Eine umfassende Aufklärung und Vorbereitung sind entscheidend für den Operationserfolg. Etwa zwei Wochen vor dem Eingriff findet ein ausführliches Aufklärungsgespräch statt, in dem Ablauf, Risiken und Nachbehandlung detailliert besprochen werden.
Notwendige Untersuchungen
Die präoperative Diagnostik umfasst aktuelle Röntgenbilder, Laboruntersuchungen (Blutbild, Gerinnungswerte, Entzündungsparameter) und bei Patienten über 60 Jahren oder mit Vorerkrankungen ein EKG sowie eine internistische Freigabe. Ein aktueller Ultraschallbefund kann zusätzliche Informationen über die Kalkstruktur liefern.
Medikamente
Blutverdünnende Medikamente wie ASS oder Marcumar müssen in Absprache mit dem behandelnden Arzt rechtzeitig abgesetzt werden. Entzündungshemmende Medikamente sollten eine Woche vor der Operation pausiert werden, da sie die Heilung beeinträchtigen können.
Verhaltensregeln vor dem Eingriff
Am Operationstag ist eine Nüchternheit von mindestens sechs Stunden erforderlich. Das Tragen lockerer, vorne zu öffnender Kleidung erleichtert das An- und Ausziehen nach der Operation. Eine Begleitperson sollte für den Transport nach Hause eingeplant werden, da das Autofahren nach der Narkose nicht möglich ist.
Nach der Operation
Unmittelbare Nachsorge
Die unmittelbare Nachsorge erfolgt im Aufwachraum, wo Kreislauf und Wundheilung überwacht werden. Die meisten Patienten können die Klinik noch am Operationstag oder nach einer Übernachtung verlassen. Bei ambulanten Eingriffen ist eine Überwachung von etwa vier Stunden üblich.

Schmerzmanagement
Das Schmerzmanagement beginnt bereits während der Operation durch die regionale Betäubung und wird postoperativ durch ein abgestuftes Schema aus Schmerzmitteln fortgesetzt. Moderne multimodale Schmerztherapie kombiniert verschiedene Wirkstoffe, um optimale Schmerzlinderung bei minimalen Nebenwirkungen zu erreichen.
Wundpflege und Hygiene
Die Wundpflege ist unkompliziert, da die kleinen arthroskopischen Zugänge meist nur mit Pflastern verschlossen werden. Diese bleiben etwa eine Woche und können beim Duschen mit wasserdichten Folien geschützt werden. Vollbäder und Schwimmen sind erst nach vollständiger Wundheilung erlaubt.
Nachkontrolltermine
Nachkontrolltermine finden typischerweise nach einer Woche zur Wundkontrolle, nach sechs Wochen zur Funktionsprüfung und nach drei Monaten zur Beurteilung des Endergebnisses statt. Röntgenkontrollen bestätigen die vollständige Kalkentfernung und dokumentieren die Heilung.
Rehabilitation & Nachbehandlung
Die Rehabilitation nach einer Kalkschulter Operation folgt einem strukturierten Phasenprogramm, das die natürliche Heilung der Sehne berücksichtigt.
Zeitplan der Heilung – Phasen der Genesung
In den ersten zwei Wochen steht die Schmerzlinderung und der Schutz der operierten Sehne im Vordergrund. Ein Gilchrist-Verband stabilisiert die Schulter, wobei pendelnde Bewegungen des Arms bereits am ersten Tag nach der Operation erlaubt sind.
Die Phase 2 (Woche 3-6) beginnt mit passiven Bewegungsübungen unter physiotherapeutischer Anleitung. Sanfte Dehnungen und Mobilisation des Schultergelenks verhindern Verklebungen und Versteifungen. Die Intensität wird schrittweise gesteigert, wobei Schmerzen als Warnzeichen respektiert werden müssen.
Ab der 7. Woche (Phase 3) beginnt der aktive Muskelaufbau der Rotatorenmanschette und der umgebenden Muskulatur. Krafttraining mit Therabändern und leichten Gewichten stellt die Schulterstabilität wieder her. Koordinationsübungen verbessern die Bewegungsqualität und bereiten auf berufliche oder sportliche Anforderungen vor.
Hilfsmittel und Bandagen
Moderne Hilfsmittel wie Bewegungsschienen (CPM-Geräte) können in der Frühphase die Rehabilitation unterstützen. Kältetherapie reduziert Schwellungen und Schmerzen, während Wärmeanwendungen später die Durchblutung fördern.
Rückkehr zum Beruf
Die Rückkehr zu leichten beruflichen Tätigkeiten ist meist nach 2-4 Wochen möglich, körperlich anspruchsvolle Arbeiten erfordern 8-12 Wochen Heilungszeit. Sportarten mit Überkopfbewegungen können nach 3-4 Monaten wieder aufgenommen werden.
Risiken & Komplikationen
Allgemeine OP-Risiken
Wie jeder operative Eingriff birgt auch die Kalkschulter Operation gewisse Risiken, die jedoch bei der minimal-invasiven Technik sehr gering sind. Allgemeine Operationsrisiken umfassen Narkosezwischenfälle, Thrombosen oder Embolien, wobei diese bei dem kurzen Eingriff extrem selten auftreten.
Spezifische Risiken der Schulterprothese
Spezifische Risiken der Schulterarthroskopie beinhalten Infektionen in weniger als einem Prozent der Fälle, meist oberflächliche Wundinfekte, die gut antibiotisch behandelbar sind. Verletzungen von Nerven oder Blutgefäßen sind bei der arthroskopischen Technik sehr selten, können aber zu vorübergehenden Sensibilitätsstörungen führen.
Häufigkeit von Komplikationen
Eine unvollständige Kalkentfernung tritt in etwa 5-10% der Fälle auf und kann eine erneute Operation erforderlich machen. Sehnenheilungsstörungen sind selten, können aber bei großen Defekten zu anhaltender Schwäche führen. Die Entwicklung einer postoperativen Schultersteife (frozen shoulder) betrifft weniger als 5% der Patienten.
Maßnahmen zur Risikominimierung
Zur Risikominimierung werden sterile Operationstechniken, moderne Instrumente und erfahrene Operateure eingesetzt. Eine perioperative Antibiotikaprophylaxe verhindert Infektionen, während schonende Operationstechniken das Verletzungsrisiko minimieren.
Wann sollten Sie sich melden?
Patienten sollten sich sofort melden bei anhaltenden starken Schmerzen, Fieber über 38,5°C, Rötung oder Schwellung der Wunde, sowie bei neuen neurologischen Ausfällen wie Taubheitsgefühlen oder Kraftverlust.

Erfolgsaussichten & Prognose
Heilungschancen und Erfolgsraten
Die Kalkschulter Operation zeigt ausgezeichnete Erfolgsraten mit Zufriedenheitsquoten von über 90% der Patienten. Studien belegen, dass 85-95% der Operierten eine deutliche Schmerzreduktion und Funktionsverbesserung erfahren. Die meisten Patienten berichten bereits wenige Wochen nach dem Eingriff von einer spürbaren Besserung.
Langzeitergebnisse
Langzeitergebnisse über 5-10 Jahre zeigen anhaltend gute Resultate mit seltenen Rezidiven. Die vollständige Kalkentfernung führt in der Regel zu einer dauerhaften Beschwerdefreiheit, da sich neue Kalkdepots an derselben Stelle nur sehr selten bilden.
Funktionsverbesserung
Die Funktionsverbesserung zeigt sich besonders in der Wiederherstellung der schmerzfreien Beweglichkeit. Patienten können wieder problemlos über Kopf arbeiten, nachts schmerzfrei schlafen und zu ihren gewohnten Sport- und Freizeitaktivitäten zurückkehren.
Studien und Erfahrungswerte
Internationale Studien dokumentieren Erfolgsraten von 90-95% für die arthroskopische Kalkentfernung. Die Patientenzufriedenheit korreliert stark mit der vollständigen Schmerzfreiheit und der Wiedererlangung der gewohnten Schulterfunktion.
Faktoren für einen besonders guten Behandlungserfolg sind ein erfahrener Operateur, moderne arthroskopische Technik, konsequente Nachbehandlung und die Motivation des Patienten zur aktiven Mitarbeit in der Rehabilitation. Bei optimal durchgeführter Operation und Nachbehandlung können über 95% der Patienten mit einem sehr guten Langzeitergebnis rechnen.
Haben Sie Beschwerden?
Nehmen Sie gerne Kontakt mit mir auf!
Haben Sie Fragen zu Ihrer Schultergesundheit oder möchten Sie einen Termin vereinbaren? Wir sind für Sie da und beraten Sie gerne persönlich. Schreiben Sie uns – wir kümmern uns um Ihr Anliegen.