Schulterprothese

Moderne Behandlung

Schulterprothese

Was ist eine Schulterprothese?

Eine Schulterprothese (Schulterendoprothese) ist ein künstlicher Gelenkersatz, der das geschädigte Schultergelenk vollständig oder teilweise ersetzt. Dabei werden die verschlissenen Gelenkflächen von Oberarmkopf und Gelenkpfanne durch hochwertige Implantate aus Metall, Keramik oder Kunststoff ersetzt. Die moderne Schulterendoprothetik ermöglicht es Patienten, ihre Beweglichkeit wiederzuerlangen und schmerzfrei zu leben.

Wann ist eine Schulterprothese notwendig?

Eine Schulterprothese wird empfohlen, wenn konservative Behandlungsmethoden nicht mehr ausreichen und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigt ist. Hauptindikationen sind fortgeschrittene Schultergelenksarthrose (Omarthrose), rheumatoide Arthritis, Oberarmkopfnekrose oder komplexe Oberarmbrüche bei älteren Patienten. Auch bei irreparablen Rotatorenmanschettenrissen kann eine spezielle inverse Schulterprothese die Lösung sein.

Vorteile der Schulterprothese

Die Schulterendoprothetik bietet entscheidende Vorteile: deutliche Schmerzreduktion, verbesserte Beweglichkeit und Kraftentwicklung sowie eine signifikante Steigerung der Lebensqualität. Moderne Implantate weisen eine hohe Standzeit von über 15-20 Jahren auf und ermöglichen die Rückkehr zu vielen alltäglichen Aktivitäten und sogar zu schonenden Sportarten.

Anatomie der Schulter

Das Schultergelenk ist das beweglichste Gelenk des menschlichen Körpers und besteht aus dem Oberarmkopf (Humeruskopf) und der Gelenkpfanne (Glenoid) des Schulterblatts. Diese Kugelgelenk-Konstruktion wird durch die Rotatorenmanschette – vier wichtige Muskeln und Sehnen – stabilisiert. Das Gelenk ist von einer Gelenkkapsel umhüllt und wird durch Gelenkflüssigkeit (Synovia) geschmiert.

Ursachen der Schultergelenkserkrankung

Die häufigste Ursache für eine notwendige Schulterprothese ist die primäre Omarthrose, ein altersbedingter Verschleiß des Gelenkknorpels. Weitere Ursachen umfassen die sekundäre Arthrose nach Verletzungen, rheumatoide Arthritis, Oberarmkopfnekrose (Humeruskopfnekrose), posttraumatische Arthrose nach Frakturen und die Defektarthropathie bei großen Rotatorenmanschettenrissen.

Symptome und Beschwerden

Typische Symptome einer fortgeschrittenen Schultergelenkserkrankung sind anhaltende, oft nächtliche Schulterschmerzen, zunehmende Bewegungseinschränkung beim Heben des Arms, Kraftverlust und Steifigkeit. Patienten berichten häufig über Schwierigkeiten beim Anziehen, Kämmen oder bei Überkopfbewegungen. In fortgeschrittenen Stadien können auch Ruheschmerzen auftreten.

Diagnostik und Untersuchungsmethoden

Die Diagnose erfolgt durch eine umfassende klinische Untersuchung mit spezifischen Funktionstests. Bildgebende Verfahren umfassen Röntgenaufnahmen in verschiedenen Ebenen, die den Grad der Arthrose zeigen. Eine Magnetresonanztomographie (MRT) beurteilt den Zustand der Weichteile, insbesondere der Rotatorenmanschette. Computertomographie (CT) kann für die präoperative Planung hilfreich sein.

Die Operation im Detail

Operationsmethoden

Die Schulterprothesen-Implantation erfolgt in der Regel über einen offenen chirurgischen Zugang. Dabei wird ein deltopectoraler Zugang (zwischen Deltamuskel und Brustmuskel) verwendet, der optimale Sicht und Zugang zum Gelenk bietet. Minimal-invasive Techniken werden zunehmend entwickelt, sind aber noch nicht Standardverfahren bei der Schulterendoprothetik.

Ablauf der Operation Schritt für Schritt

Die Operation beginnt mit der Hautdesinfektion und sterilen Abdeckung. Nach dem Hautschnitt wird das Schultergelenk durch Durchtrennung der Gelenkkapsel eröffnet. Der verschlissene Oberarmkopf wird präzise abgesägt und der Markraum für die Prothesenverankerung vorbereitet. Die Gelenkpfanne wird ausgefräst und die entsprechende Pfannenkomponente eingesetzt. Anschließend wird der künstliche Oberarmkopf implantiert und die exakte Positionierung überprüft.

Dauer des Eingriffs

Eine Standard-Schulterprothesen-Operation dauert in der Regel 90 bis 120 Minuten. Die Operationsdauer kann je nach Komplexität des Falls, dem gewählten Prothesentyp und eventuellen anatomischen Besonderheiten variieren. Revisionsoperationen oder komplexe Fälle können entsprechend länger dauern.

Anästhesie-Verfahren

Die Operation wird unter Vollnarkose durchgeführt. Zusätzlich kann eine regionale Anästhesie (Plexusblockade) zur Schmerzausschaltung und postoperativen Schmerztherapie eingesetzt werden. Diese Kombination ermöglicht eine optimale Schmerzbehandlung während und nach der Operation.

Moderne Techniken und Instrumente

Moderne Schulterprothesen werden computergestützt geplant (3D-Planung) und mit speziellen Instrumenten millimetergenau implantiert. Navigationssysteme können die Präzision weiter erhöhen. Die Implantate bestehen aus biokompatiblen Materialien wie Titan, Kobalt-ChromLegierungen und hochwertigem Polyethylen. Zementfreie und zementierte Verankerungstechniken stehen zur Verfügung.

Vor der Operation

Vorbereitung und Aufklärung

Die präoperative Aufklärung erfolgt ausführlich in einem persönlichen Gespräch mit dem Operateur. Dabei werden die Operationsmethode, Risiken, Alternativen und Nachbehandlung besprochen. Der Patient erhält ausführliche Informationsmaterialien und Zeit für Rückfragen. Eine schriftliche Einverständniserklärung ist erforderlich.

Notwendige Untersuchungen

Vor der Operation sind verschiedene Untersuchungen notwendig: aktuelle Röntgenbilder, Laboruntersuchungen (Blutbild, Entzündungsparameter, Gerinnungswerte), EKG und gegebenenfalls weitere kardiologische oder internistische Abklärungen. Bei Verdacht auf Infekte sind zusätzliche Untersuchungen erforderlich.

Medikamente

Blutverdünnende Medikamente müssen rechtzeitig vor der Operation abgesetzt oder umgestellt werden. Die genauen Modalitäten werden mit dem behandelnden Arzt besprochen. Andere wichtige Medikamente sollen in der Regel weiter eingenommen werden. Eine präoperative Antibiotikaprophylaxe wird kurz vor der Operation verabreicht.

Verhaltensregeln vor dem Eingriff

Patienten müssen ab Mitternacht vor der Operation nüchtern bleiben (keine Nahrung und Flüssigkeit). Das Rauchen sollte mindestens vier Wochen vor der Operation eingestellt werden, um die Wundheilung zu fördern. Die Operationsstelle sollte am Vorabend gründlich gewaschen werden.

Checkliste für Patienten

  • Nüchternheit ab Mitternacht beachten
  • Alle Medikamente nach Anweisung einnehmen/absetzen
  • Gründliche Körperhygiene am Vorabend
  • Bequeme, weite Kleidung für nach der Operation mitbringen
  • Wichtige Dokumente (Ausweise, Versicherungskarte) bereithalten
  • Angehörige über Operationstermin informieren
  • Häusliche Unterstützung für die ersten Tage organisieren

Nach der Operation

Unmittelbare Nachsorge

Direkt nach der Operation wird der Arm in einer speziellen Schlinge (Abduktionsschiene) ruhiggestellt. Die postoperative Überwachung erfolgt zunächst im Aufwachraum. Regelmäßige Kontrollen von Wundverhältnissen, Durchblutung und Nervenfunktion sind Standard. Die Schmerztherapie wird individuell angepasst.

Krankenhaus­aufenthalt

Der stationäre Aufenthalt beträgt in der Regel 5-7 Tage. In dieser Zeit erfolgen tägliche Visiten, Wundkontrollen und der Beginn der physiotherapeutischen Behandlung. Röntgenkontrollaufnahmen überprüfen die korrekte Lage der Prothese. Die Entlassung erfolgt nach Erreichen definierter Mobilisationsziele.

Schmerz­management

Ein multimodales Schmerzkonzept kommt zur Anwendung: Kombination aus Schmerzmitteln, lokaler Betäubung und physikalischen Maßnahmen. Moderne Schmerzpumpen können bei Bedarf eingesetzt werden. Die Schmerzmedikation wird schrittweise reduziert, sobald die akute Heilungsphase abgeschlossen ist.

Wundpflege und Hygiene

Die Operationswunde wird zunächst mit einem sterilen Verband abgedeckt. Der erste Verbandswechsel erfolgt am zweiten postoperativen Tag. Duschen ist nach Wundheilung (ca. 10-14 Tage) wieder möglich. Die Fäden werden nach 10-14 Tagen entfernt. Bis zur vollständigen Wundheilung sollte die Wunde trocken gehalten werden.

Nachkontroll­termine

Regelmäßige Nachkontrollen sind essentiell: erste Kontrolle nach 6 Wochen, weitere nach 3, 6 und 12 Monaten. Anschließend sind jährliche Kontrollen empfehlenswert. Dabei werden Funktion, Röntgenbilder und mögliche Komplikationen überprüft. Langzeitkontrollen dienen der Früherkennung von Lockerungen oder Verschleiß.

Physiotherapie-Konzept

Die Rehabilitation erfolgt in drei Phasen: Schutzphase (0-6 Wochen), Mobilisationsphase (6-12 Wochen) und Belastungsphase (ab 12 Wochen). Ein individueller Therapieplan wird erstellt. Die Behandlung kann ambulant oder in einer Reha-Klinik erfolgen. Passive und aktive Bewegungsübungen werden schrittweise gesteigert.

Zeitplan der Heilung

Die knöcherne Einheilung der Prothese dauert etwa 6-8 Wochen. In dieser Zeit ist die Ruhigstellung in der Abduktionsschiene notwendig. Nach 6 Wochen beginnt die aktive Mobilisation. Die vollständige Rehabilitation dauert in der Regel 3-6 Monate. Individuelle Heilungsverläufe können davon abweichen.

Bewegungsübungen nach Phasen

Phase 1 (0-6 Wochen): Passive Bewegungen, Pendelübungen, vorsichtige Bewegung aus der Schulter heraus.

Phase 2 (6-12 Wochen): Aktiv-assistierte Bewegungen, schrittweise Steigerung der Beweglichkeit, Beginn der Kräftigung.

Phase 3 (ab 12 Wochen): Aktive Bewegungen gegen Widerstand, Koordinationstraining, funktionelles Training.

Hilfsmittel und Bandagen

Eine Abduktionsschiene wird für 4-6 Wochen getragen. Später können unterstützende Bandagen bei Aktivitäten hilfreich sein. Spezielle Kissen für die Nachtlagerung verbessern den Schlafkomfort. Langstiefel und Anziehilfen erleichtern die selbstständige Körperpflege in der ersten Zeit.

Rückkehr zu Sport und Beruf

Die Rückkehr zur Bürotätigkeit ist meist nach 6-8 Wochen möglich. Körperlich anspruchsvolle Berufe erfordern eine längere Pause von 3-6 Monaten. Schonende Sportarten wie Schwimmen oder Radfahren sind nach 3-4 Monaten möglich. Kontakt- und Überkopfsportarten sollten vermieden oder nur nach ausführlicher Beratung ausgeübt werden.

Risiken & Komplikationen

Allgemeine OP-Risiken

Wie bei jeder Operation bestehen allgemeine Risiken: Narkoserisiken, Thrombose, Embolie, Nachblutungen und Wundheilungsstörungen. Das Infektionsrisiko liegt bei etwa 1-2%. Allergische Reaktionen auf Medikamente oder Implantatmaterialien sind selten möglich. Durch entsprechende Prophylaxe können diese Risiken minimiert werden.

Spezifische Risiken der Schulterprothese

Spezielle Risiken umfassen Nervenverletzungen (insbesondere des Nervus axillaris), Gefäßverletzungen, Instabilität der Prothese, Luxation und Prothesenfraktur. Langfristig können Lockerung der Implantate, Verschleiß der Gleitpartner oder Knochenabbau (Osteolyse) auftreten. Die Rotatorenmanschette kann während oder nach der Operation Schaden nehmen.

Häufigkeit von Komplikationen

Schwerwiegende Komplikationen sind selten und treten in weniger als 5% der Fälle auf. Infektionen betreffen etwa 1-2% der Patienten. Nervenverletzungen sind mit unter 1% sehr selten. Die 10-Jahres-Überlebensrate moderner Schulterprothesen liegt bei über 90%. Die meisten Patienten sind mit dem Operationsergebnis zufrieden.

Maßnahmen zur Risikominimierung

Risiken werden durch sorgfältige Patientenauswahl, präoperative Optimierung, sterile Operationstechnik und erfahrene Chirurgen minimiert. Prophylaktische Antibiotikagabe, Thromboseprophylaxe und frühe Mobilisation sind Standard. Regelmäßige Nachkontrollen ermöglichen die Früherkennung von Problemen.

Wann sollten Sie sich melden?

Sofortige ärztliche Vorstellung bei: starken, zunehmenden Schmerzen, Fieber, Schwellung, Rötung oder Wärmeentwicklung im Operationsgebiet, eitrigem Wundausfluss, plötzlicher Bewegungseinschränkung oder „Herausspringen“ der Schulter. Auch bei Unsicherheiten sollten Patienten nicht zögern, Kontakt aufzunehmen.

Erfolgsaussichten & Prognose

Heilungschancen und Erfolgsraten

Die Erfolgsrate der Schulterprothesen-Operation liegt bei über 90%. Die meisten Patienten erfahren eine deutliche Schmerzreduktion und Verbesserung der Beweglichkeit. Die Patientenzufriedenheit ist hoch, wobei realistische Erwartungen wichtig sind. Moderne Implantate zeigen sehr gute Langzeitergebnisse.

Langzeitergebnisse

Studien zeigen, dass nach 10 Jahren noch über 90% der Schulterprothesen gut funktionieren. Nach 15-20 Jahren sind etwa 80-85% der Implantate noch in situ. Die Hauptursachen für Revisionen sind Lockerung, Verschleiß oder Instabilität. Zweittoperationen (Wechseloperationen) sind möglich, aber aufwendiger.

Funktionsverbesserung

Patienten erreichen in der Regel eine Armhebung von 120-140 Grad nach vorne und zur Seite. Die Innenrotation verbessert sich meist weniger deutlich. Alltagsaktivitäten wie Anziehen, Körperpflege und leichte Hausarbeit sind wieder gut möglich. Die Kraftentwicklung normalisiert sich über Monate.

Patientenzufriedenheit

Studien zeigen eine Patientenzufriedenheit von über 90%. Die Schmerzreduktion wird als der wichtigste Benefit empfunden. Auch die Verbesserung der Lebensqualität und die Möglichkeit, wieder besser schlafen zu können, werden hoch geschätzt. Realistische präoperative Aufklärung ist für die Zufriedenheit entscheidend.

Studien und Erfahrungswerte

Internationale Register dokumentieren die Ergebnisse von Schulterprothesen systematisch. Deutsche und internationale Studien bestätigen die guten Ergebnisse moderner Implantate. Spezialisierte Schulterendoprothetik-Zentren erreichen noch bessere Ergebnisse durch hohe Fallzahlen und Expertise. Die kontinuierliche Weiterentwicklung der Implantate und Operationstechniken führt zu stetig verbesserten Resultaten.

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