Sehnenrekonstruktion

Moderne Behandlung für optimale Schulterfunktion

Einführung & Überblick

Was ist eine Sehnenrekonstruktion?

Die Sehnenrekonstruktion ist ein chirurgischer Eingriff zur Wiederherstellung geschädigter oder gerissener Sehnen, insbesondere der Rotatorenmanschette in der Schulter. Bei diesem operativen Verfahren werden verletzte Sehnenstrukturen repariert, rekonstruiert oder durch körpereigene oder künstliche Materialien ersetzt, um die ursprüngliche Funktion und Stabilität des Gelenks wiederherzustellen.

Wann ist eine Sehnenrekonstruktion notwendig?

Eine Sehnenrekonstruktion wird erforderlich bei:

  • Kompletten Sehnenrissen (Ruptur) der Rotatorenmanschette
  • Großflächigen Sehnendefekten nach Traumata
  • Chronischen Sehnendegenerationen mit funktionellen Einschränkungen
  • Wiederholten Sehnenrissen nach vorherigen Reparaturen
  • Ausgedehnten Sehnenveränderungen bei jüngeren, aktiven Patienten

Vorteile der modernen Sehnenrekonstruktion

Die Sehnenrekonstruktion bietet entscheidende Vorteile: Wiederherstellung der Schulterstabilität, Schmerzreduktion, Verbesserung der Beweglichkeit und Kraftentwicklung sowie die Möglichkeit zur Rückkehr zu beruflichen und sportlichen Aktivitäten. Moderne minimal-invasive Techniken ermöglichen zudem kürzere Heilungszeiten und geringere postoperative Beschwerden.

Anatomie der Schulter

Die Schulter besteht aus dem Oberarmkopf (Humeruskopf) und der Schulterpfanne (Glenoid), die gemeinsam das Schultergelenk bilden. Die Rotatorenmanschette umfasst vier wichtige Sehnen: Supraspinatus, Infraspinatus, Teres minor und Subscapularis. Diese Sehnen stabilisieren das Gelenk und ermöglichen die komplexen Bewegungen des Arms in alle Richtungen.

Ursachen für Sehnenschäden

Sehnenrisse entstehen durch verschiedene Faktoren:

  • Altersbedingte Degeneration (häufigste Ursache ab dem 50. Lebensjahr)
  • Akute Traumata durch Stürze oder Sportverletzungen
  • Chronische Überlastung durch repetitive Bewegungen
  • Durchblutungsstörungen der Sehnenstrukturen
  • Anatomische Besonderheiten wie Impingement-Syndrome

Symptome und Beschwerden

Typische Anzeichen einer Sehnenschädigung sind:

  • Schmerzen bei Überkopfbewegungen
  • Nächtliche Schulterschmerzen
  • Kraftverlust beim Heben des Arms
  • Bewegungseinschränkungen
  • Knirschende Geräusche bei Bewegungen
  • Schwellungen und Druckempfindlichkeit

Diagnostik und Untersuchungsmethoden

Die Diagnose erfolgt durch eine umfassende klinische Untersuchung mit spezifischen Funktionstests. Bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Magnetresonanztomographie (MRT) und in besonderen Fällen Computertomographie (CT) visualisieren das Ausmaß der Sehnenschädigung. Die MRT-Untersuchung gilt als Goldstandard für die präoperative Planung.

Die Operation im Detail

Operationsmethoden

Minimal-invasive Arthroskopie: Die bevorzugte Methode erfolgt über kleine Hautschnitte mit einer Kamera (Arthroskop). Diese Technik bietet bessere Sicht, geringere Gewebeschädigung und schnellere Heilung.

Offene Operation: Bei komplexen Rekonstruktionen oder Revisionsoperationen kann ein offener Zugang notwendig sein, der direkten Zugang zu den Sehnenstrukturen ermöglicht.

Ablauf der operativen Behandlung Schritt für Schritt

  • Lagerung und Vorbereitung: Patient in Seitenlage, sterile Abdeckung des Operationsgebiets
  • Arthroskopische Inspektion: Einführung der Kamera zur Beurteilung der Schäden
  • Sehnenrefixation: Befestigung der Sehne am Knochen mittels spezieller Anker (Fadenanker)
  • Rekonstruktion: Bei größeren Defekten Verwendung von Sehnentransplantaten oder künstlichen Materialien
  • Funktionsprüfung: Kontrolle der Rekonstruktion und Beweglichkeit
  • Wundverschluss: Verschluss der kleinen Hautschnitte

Dauer des Eingriffs

Die Operationsdauer variiert je nach Komplexität zwischen 60 und 180 Minuten. Einfache Sehnenreparaturen dauern etwa eine Stunde, während komplexe Rekonstruktionen mit Transplantaten längere Zeit erfordern.

Anästhesie-Verfahren

Die Operation erfolgt in Vollnarkose, häufig kombiniert mit einer regionalen Betäubung (Interscalenus-Blockade) für optimale Schmerzausschaltung während und nach dem Eingriff.

Moderne Techniken und Instrumente

Aktuelle Operationstechniken nutzen biokompatible Fadenanker, resorbierbare Materialien und speziell entwickelte Instrumente für die arthroskopische Rekonstruktion. Double-Row-Techniken und Transossäre-Equivalent-Verfahren verbessern die biomechanische Stabilität der Rekonstruktion.

Vor der Operation

Vorbereitung und Aufklärung

Eine ausführliche Patientenaufklärung über Ablauf, Risiken und Nachbehandlung ist essentiell. Der Operateur erklärt die individuellen Behandlungsoptionen und beantwortet alle Fragen zur geplanten Sehnenrekonstruktion.

Notwendige Untersuchungen

Präoperativ erforderlich sind:

  • Aktuelle Blutuntersuchungen (Gerinnungswerte, Entzündungsparameter)
  • EKG und bei Bedarf weitere kardiologische Abklärung
  • Röntgenaufnahmen der Schulter
  • MRT-Bildgebung zur Operationsplanung
  • Anästhesiologische Voruntersuchung

Medikamente

Blutverdünnende Medikamente müssen rechtzeitig abgesetzt werden (Aspirin 7 Tage, Marcumar/Xarelto nach ärztlicher Absprache). Andere Dauermedikationen werden meist fortgeführt, die genaue Absprache erfolgt mit dem behandelnden Arzt.

Verhaltensregeln vor dem Eingriff

  • Nüchternheit ab Mitternacht vor der Operation
  • Verzicht auf Alkohol und Nikotin
  • Körperliche Schonung der betroffenen Schulter
  • Vorbereitung der häuslichen Umgebung für die Nachbehandlung
  • Organisation von Unterstützung für die ersten Tage

Checkliste für Patienten

  • Einverständniserklärung unterschrieben
  • Alle Voruntersuchungen abgeschlossen
  • Medikamentenplan mit dem Arzt besprochen
  • Fahrdienst für den Tag der Operation organisiert
  • Hilfsmittel (Schulterbandage) besorgt
  • Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung für den Arbeitgeber vorbereitet

Nach der Operation

Unmittelbare Nachsorge

Nach der Operation wird die Schulter in einer speziellen Bandage (Abduktionskissen) ruhiggestellt. Die postoperative Überwachung erfolgt im Aufwachraum, wo Schmerztherapie und Kreislauffunktionen kontrolliert werden.

Krankenhaus­aufenthalt

Der stationäre Aufenthalt dauert meist 1-2 Tage. In dieser Zeit erfolgen die Wundkontrolle, Physiotherapie-Anleitung und Schmerztherapie-Anpassung. Bei ambulanten Eingriffen ist eine häusliche Betreuung in den ersten 24 Stunden erforderlich.

Schmerz­management

Eine multimodale Schmerztherapie kombiniert verschiedene Medikamente und Verfahren. Neben Schmerzmitteln (NSAR, Opioide) werden Kältetherapie und die präoperative Nervenblockade zur optimalen Schmerzlinderung eingesetzt.

Wundpflege und Hygiene

Die kleinen Wunden bleiben etwa 10-12 Tage mit Pflastern abgedeckt. Duschen ist nach 48 Stunden möglich, Baden und Schwimmen erst nach Abheilung der Wunden. Die Wundkontrolle erfolgt regelmäßig zur Früherkennung von Infektionszeichen.

Nachkontroll­termine

Regelmäßige Kontrolltermine finden nach 1-2 Wochen (Wundkontrolle), 6 Wochen (Röntgen, Bewegungsfreigabe), 3 Monaten und 6 Monaten statt. Diese Termine sind wichtig für die Überwachung der Heilung und Anpassung der Therapie.

Rehabilitation & Nachbehandlung

Physiotherapie-Konzept

Die Rehabilitation erfolgt in drei Phasen:

  • Phase 1 (0-6 Wochen): Ruhigstellung in Abduktionskissen, passive Bewegungsübungen
  • Phase 2 (6-12 Wochen): Aktive Bewegungen, beginnende Kräftigung
  • Phase 3 (ab 12 Wochen): Progressive Kraftsteigerung, sportspezifisches Training

Zeitplan der Heilung

  • Woche 1-6: Schutz der Rekonstruktion, Ruhigstellung
  • Woche 6-12: Mobilisation und erste Kraftübungen
  • Monat 3-6: Kraftaufbau und Funktionsverbesserung
  • Monat 6-12: Vollständige Rehabilitation und Rückkehr zu Aktivitäten

Bewegungsübungen nach Phasen

Passive Bewegungsübungen beginnen früh zur Vermeidung von Steifheit. Aktive Bewegungen starten nach 6 Wochen mit schrittweiser Steigerung. Widerstandsübungen und Krafttraining erfolgen ab der 12. Woche unter physiotherapeutischer Anleitung.

Hilfsmittel und Bandagen

Das Abduktionskissen stabilisiert die Schulter für 4-6 Wochen. Weitere Hilfsmittel können spezielle Schienen für die Nacht, Kältetherapie-Geräte und ergonomische Hilfsmittel für den Alltag sein.

Rückkehr zu Sport und Beruf

Die Rückkehr zur Bürotätigkeit ist meist nach 2-4 Wochen möglich, körperliche Arbeit erst nach 3-6 Monaten. Sportliche Aktivitäten ohne Überkopfbewegungen sind nach 3 Monaten erlaubt, Kontakt- und Überkopfsportarten nach 6-12 Monaten.

Risiken & Komplikationen

Allgemeine OP-Risiken

Wie bei jeder Operation bestehen Risiken für Blutungen, Infektionen, Thrombosen und Narkosekomplikationen. Diese Risiken sind bei der Sehnenrekonstruktion jedoch sehr gering und werden durch moderne Operationstechniken und perioperative Maßnahmen minimiert.

Spezifische Risiken der Sehnenrekonstruktion

  • Re-Ruptur: Erneuter Sehnenriss (5-15% der Fälle)
  • Schultersteife: Bewegungseinschränkung durch Narbenbildung
  • Nervenverletzungen: Sehr seltene Schädigung umliegender Nerven
  • Implantat-Probleme: Lockerung oder Bruch der Fadenanker
  • Persistierende Schmerzen: Fortbestehende Beschwerden

Häufigkeit von Komplikationen

Schwerwiegende Komplikationen treten in weniger als 5% der Fälle auf. Die häufigste Komplikation ist die eingeschränkte Beweglichkeit (10-20%), die meist durch intensive Physiotherapie verbessert werden kann.

Maßnahmen zur Risikominimierung

Risiken werden durch sorgfältige Patientenauswahl, präoperative Optimierung (Nikotinstopp, Gewichtsreduktion), sterile Operationstechnik und konsequente Nachbehandlung minimiert. Die Einhaltung der Nachbehandlungsrichtlinien ist entscheidend für den Operationserfolg.

Wann sollten Sie sich melden?

Sofortige ärztliche Vorstellung bei:

  • Starken, zunehmenden Schmerzen
  • Fieber über 38°C
  • Rötung, Schwellung oder eitriger Ausfluss der Wunde
  • Taubheitsgefühl oder Lähmungen im Arm
  • Plötzlicher Kraftverlust

Erfolgsaussichten & Prognose

Heilungschancen und Erfolgsraten

Die Erfolgsrate der Sehnenrekonstruktion liegt bei 85-95%, abhängig von der Defektgröße und Sehnenqualität. Kleinere Risse zeigen bessere Heilungsraten als große, chronische Defekte. Die anatomische Heilung der Sehne gelingt in etwa 80-90% der Fälle.

Langzeitergebnisse

Langzeitstudien zeigen gute bis sehr gute Ergebnisse über 10-15 Jahre. Die meisten Patienten erreichen eine deutliche Schmerzreduktion und Funktionsverbesserung. Die Haltbarkeit der Rekonstruktion ist bei jüngeren Patienten und kleineren Defekten besser.

Funktionsverbesserung

Nach erfolgreicher Rekonstruktion können 90% der Patienten ihre Schulter schmerzfrei für Alltagsaktivitäten nutzen. Die Kraft verbessert sich durchschnittlich um 70-80% im Vergleich zum präoperativen Zustand. Überkopfbewegungen sind bei den meisten Patienten wieder möglich.

Patientenzufriedenheit

Die Patientenzufriedenheit nach Sehnenrekonstruktion ist hoch: 85-95% der Patienten würden den Eingriff wieder durchführen lassen. Die größte Zufriedenheit zeigt sich bei der Schmerzreduktion und der Verbesserung der Schlafqualität.

Studien und Erfahrungswerte

Aktuelle wissenschaftliche Studien bestätigen die Wirksamkeit moderner Rekonstruktionstechniken. Arthroskopische Double-Row-Techniken zeigen in kontrollierten Studien bessere biomechanische Eigenschaften als Single-Row-Verfahren. Die kontinuierliche Weiterentwicklung der Operationstechniken und Implantate führt zu stetig verbesserten Ergebnissen.

Haben Sie Beschwerden?

Nehmen Sie gerne Kontakt mit mir auf!

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