Was ist eine Bizeps­sehnenent­zündung?

Die Bizepssehnenentzündung (medizinisch: Bizeps-Tendinitis) ist eine häufige Ursache für Schulterschmerzen, die sowohl Sportler als auch Menschen im Alltag betreffen kann. Diese schmerzhafte Entzündung der Bizepssehne entsteht meist durch Überlastung oder repetitive Bewegungen und kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Eine frühzeitige Diagnose und gezielte Behandlung sind entscheidend für eine erfolgreiche Heilung.

Eine Bizepssehnenentzündung ist eine Entzündung der langen Bizepssehne (Caput longum), die vom Bizepsmuskel durch die Bizepsrinne (Sulcus bicipitalis) des Oberarmknochens verläuft und am oberen Rand der Gelenkpfanne (Glenoid) ansetzt. Der Bizepsmuskel besitzt zwei Sehnenköpfe: den kurzen Kopf (Caput breve) und den langen Kopf (Caput longum). Während der kurze Kopf direkt am Rabenschnabelfortsatz des Schulterblatts ansetzt, verläuft die lange Bizepssehne durch das Schultergelenk und ist deutlich anfälliger für Entzündungen.

Die Entzündung entsteht typischerweise durch mechanische Reizung der Sehne in der engen Bizepsrinne, wo sie zwischen dem großen und kleinen Rollhügel des Oberarmknochens eingeklemmt werden kann. Dieser Bereich ist besonders vulnerabel, da die Sehne hier wenig Platz hat und bei Bewegungen ständig gegen die knöchernen Strukturen reibt.

Symptome der Bizepssehnenentzündung

Die Symptome einer Bizepssehnenentzündung entwickeln sich meist schleichend und verstärken sich bei bestimmten Bewegungen. Betroffene beschreiben typischerweise einen dumpfen, ziehenden Schmerz im vorderen Schulterbereich, der bis in den Oberarm ausstrahlen kann.

Typische Symptome im Überblick

  • Schmerzen im vorderen Schulterbereich – besonders bei Überkopfbewegungen und beim Heben des Arms
  • Nachtschmerzen – verstärkter Schmerz beim Liegen auf der betroffenen Seite
  • Druckschmerz – lokaler Schmerz bei Druck auf die Bizepsrinne
  • Bewegungseinschränkung – reduzierte Beweglichkeit der Schulter, besonders bei Rotation
  • Kraftverlust – verminderte Kraft beim Beugen des Ellbogens und bei Supinationsbewegungen
  • Morgensteifigkeit – versteifte Schulter nach längeren Ruhephasen
  • Schmerzverstärkung bei Belastung – Zunahme der Beschwerden bei sportlichen Aktivitäten oder schwerer körperlicher Arbeit
  • Krepitation – gelegentlich spür- und hörbare Reibegeräusche bei Bewegung

Ursachen der Bizepssehnenentzündung

Die Bizepssehnenentzündung entsteht durch verschiedene Faktoren, die oft in Kombination auftreten. Überlastung durch repetitive Bewegungen steht dabei im Vordergrund der Entstehung.

Mechanische Ursachen umfassen Überkopfsportarten wie Tennis, Volleyball oder Schwimmen, bei denen die Bizepssehne wiederholt hohen Zugkräften ausgesetzt wird. Auch berufliche Tätigkeiten mit häufigen Überkopfbewegungen können zur Entzündung führen. Das Impingement-Syndrom, bei dem Sehnen zwischen Knochen eingeklemmt werden, ist ein häufiger Begleitfaktor.

Degenerative Veränderungen spielen besonders bei älteren Patienten eine Rolle. Mit zunehmendem Alter verliert die Sehne an Elastizität und wird anfälliger für Mikroverletzungen. Auch eine instabile Bizepssehne, die aus ihrer normalen Position in der Bizepsrinne herausspringt (Bizepssehnen-Luxation), kann zu chronischen Reizungen führen.

Begleiterkrankungen wie Kalkschulter (Tendinosis calcarea), Schleimbeutelentzündung oder Rotatorenmanschetten-Verletzungen können das Risiko für eine Bizepssehnenentzündung erhöhen. Auch rheumatische Erkrankungen und Diabetes mellitus sind bekannte Risikofaktoren.

Diagnose der Bizepssehnenentzündung

Die Diagnose einer Bizepssehnenentzündung erfolgt durch eine Kombination aus Anamnese, körperlicher Untersuchung und bildgebenden Verfahren. Ein erfahrener Orthopäde oder Sportmediziner kann oft bereits durch gezielte Tests eine Verdachtsdiagnose stellen.

Die Anamnese erfragt typische Beschwerden, Schmerzlokalisation, auslösende Aktivitäten und den zeitlichen Verlauf der Symptome. Wichtig sind Angaben zu beruflichen oder sportlichen Belastungen sowie zu Vorerkrankungen der Schulter.

Bei der körperlichen Untersuchung werden spezielle Provokationstests durchgeführt. Der Speed-Test prüft die Schmerzauslösung bei gestrecktem Arm gegen Widerstand, während der Yergason-Test die Supination gegen Widerstand testet. Der Druckschmerz über der Bizepsrinne ist ein weiteres wichtiges diagnostisches Zeichen.

Bildgebende Verfahren ergänzen die klinische Diagnostik. Die Ultraschalluntersuchung kann Verdickungen der Sehne, Flüssigkeitsansammlungen und strukturelle Veränderungen darstellen. Bei unklaren Fällen oder Verdacht auf Begleitverletzungen wird eine Magnetresonanztomographie (MRT) durchgeführt, die detaillierte Bilder der Weichteile liefert. Röntgenaufnahmen dienen dem Ausschluss knöcherner Veränderungen und können bei chronischen Verläufen Verkalkungen zeigen.

Konservative Therapie

Die konservative Behandlung steht bei der Bizepssehnenentzündung im Vordergrund und führt in den meisten Fällen zu einer vollständigen Heilung. Das Therapiekonzept basiert auf mehreren Säulen, die individuell angepasst werden.

Schonung und Aktivitätsmodifikation bilden die Grundlage der Behandlung. Belastende Bewegungen sollten vermieden und die auslösenden Aktivitäten pausiert werden. Eine komplette Ruhigstellung ist jedoch nicht erforderlich und kann sogar kontraproduktiv sein.

Medikamentöse Therapie mit nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac kann Schmerzen lindern und Entzündungen reduzieren. Die Einnahme sollte zeitlich begrenzt und unter ärztlicher Kontrolle erfolgen.

Physiotherapie spielt eine zentrale Rolle in der Behandlung. Zunächst stehen schmerzlindernde Maßnahmen wie Kälteanwendungen, Elektrotherapie oder Ultraschall im Vordergrund. Nach Abklingen der akuten Entzündung werden gezielte Dehnungs- und Kräftigungsübungen durchgeführt. Manuelle Therapie kann die Beweglichkeit verbessern und Muskelverspannungen lösen.

Injektionstherapie mit Kortikosteroiden direkt in den entzündeten Bereich kann bei hartnäckigen Fällen erwogen werden. Diese Behandlung sollte nur von erfahrenen Ärzten durchgeführt werden, da Risiken wie Sehnenrisse bestehen.

Alternative Therapieverfahren wie Akupunktur, Osteopathie oder die Behandlung mit plättchenreichem Plasma (PRP) werden zunehmend eingesetzt, wobei die Evidenz für deren Wirksamkeit noch begrenzt ist.

Operative Therapie

Eine operative Behandlung wird nur bei therapieresistenten Fällen oder bei strukturellen Schäden der Bizepssehne in Betracht gezogen. Die Indikation wird streng gestellt, da die meisten Bizepssehnenentzündungen konservativ heilen.

Arthroskopische Verfahren stehen im Vordergrund der operativen Behandlung. Dabei werden über kleine Hautschnitte eine Kamera und Instrumente in das Schultergelenk eingeführt. Je nach Befund können verschiedene Techniken angewendet werden.

Bei der Bizepssehnen-Tenotomie wird die entzündete lange Bizepssehne durchtrennt. Dieser Eingriff führt zu einer sofortigen Schmerzlinderung, kann aber eine leichte Kraftminderung und eine kosmetische Veränderung (Popeye-Zeichen) zur Folge haben.

Die Bizepssehnen-Tenodese ist eine aufwendigere Technik, bei der die Sehne an einer anderen Stelle am Oberarmknochen befestigt wird. Dadurch bleiben Kraft und Form des Muskels weitgehend erhalten.

Begleiteingriffe wie die Behandlung eines Impingement-Syndroms oder die Reparatur von Rotatorenmanschetten-Rissen können gleichzeitig durchgeführt werden.

Die Nachbehandlung umfasst zunächst eine Ruhigstellung für wenige Tage, gefolgt von einem strukturierten Rehabilitationsprogramm. Die volle Belastungsfähigkeit wird meist nach 3-6 Monaten erreicht.

Fünf effektive Übungen bei einer Bizepssehnenentzündung

Wichtiger Hinweis: Alle Übungen sollten schmerzfrei durchgeführt werden. Bei zunehmenden Beschwerden brechen Sie die Übungen ab und konsultieren Sie Ihren Arzt oder Physiotherapeuten. Die Übungen ersetzen keine professionelle medizinische Behandlung und sollten idealerweise unter Anleitung eines qualifizierten Therapeuten erlernt werden.

Übung 1

Stützen Sie sich mit der gesunden Hand auf einen Tisch und lassen Sie den betroffenen Arm locker hängen. Führen Sie kleine kreisende Bewegungen aus, ohne die Schultermuskulatur aktiv anzuspannen. Diese Übung mobilisiert das Gelenk sanft und fördert die Durchblutung. Führen Sie 10-15 Kreise in jede Richtung aus.

Übung 2

Stellen Sie sich seitlich zur Wand und strecken Sie den betroffenen Arm horizontal zur Wand aus. Legen Sie die Handfläche flach an die Wand und drehen Sie den Körper langsam von der Wand weg, bis Sie eine Dehnung im Bizeps spüren. Halten Sie die Position 30 Sekunden und wiederholen Sie die Übung 3-mal.

Übung 3

Befestigen Sie ein Theraband in Ellbogenhöhe und halten Sie das andere Ende mit der betroffenen Hand. Der Ellbogen bleibt am Körper angelegt. Ziehen Sie das Band nach außen und führen Sie es kontrolliert zurück. Diese Übung stärkt die Außenrotatoren und stabilisiert die Schulter. Führen Sie 2-3 Sätze mit 15 Wiederholungen aus.

Übung 4

Winkeln Sie den betroffenen Arm 90 Grad an und drücken Sie die Faust gegen die gesunde Hand. Halten Sie die Spannung 10 Sekunden ohne Bewegung. Diese Übung kräftigt den Bizeps schonend ohne Gelenkbewegung. Wiederholen Sie die Übung 10-mal.

Übung 5

Stehen Sie aufrecht und ziehen Sie die Schulterblätter zusammen, als würden Sie einen Stift zwischen ihnen einklemmen wollen. Halten Sie die Position 10 Sekunden und entspannen Sie dann. Diese Übung verbessert die Haltung und entlastet die Bizepssehne. Führen Sie 2-3 Sätze mit 10 Wiederholungen aus.

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