Was ist ein Bizepssehnenriss Schulter?

Ein Bizepssehnenriss an der Schulter bezeichnet die teilweise oder vollständige Ruptur einer der beiden Bizepssehnen, die am Schultergelenk ansetzen. Der Bizepsmuskel (Musculus biceps brachii) verfügt über zwei Sehnen im Schulterbereich: die lange Bizepssehne (Caput longum) und die kurze Bizepssehne (Caput breve). Während die kurze Bizepssehne am Rabenschnabelfortsatz (Processus coracoideus) ansetzt, verläuft die lange Bizepssehne durch das Schultergelenk und setzt am oberen Rand der Gelenkpfanne (Labrum glenoidale) an.

In der Regel kommt es zu einem Riss der langen Bizepssehnen. Diese Verletzung betrifft vorwiegend Männer über dem 60. Lebensjahr, sie kann aber auch bei jüngeren Sportlern auftreten.

Symptome eines Bizepssehnenrisses an der Schulter

Die Symptome eines Bizepssehnenrisses können je nach Schweregrad und Lokalisation der Verletzung variieren. Viele Betroffene verspüren zunächst einen plötzlichen, stechenden Schmerz im vorderen Schulterbereich, der oft von einem hörbaren „Knall“ oder „Schnappen“ begleitet wird.

Typische Symptome im Überblick

  • Plötzlicher, stechender Schmerz im vorderen Schulterbereich
  • Sichtbare Verformung des Oberarms („Popeye-Zeichen“ bei komplettem Riss)
  • Kraftverlust beim Beugen des Ellenbogens und Drehen des Unterarms
  • Muskelkrampf und Verhärtung im Bizepsbereich
  • Bluterguss (Hämatom) am Oberarm/Bizepsmuskel
  • Schwellung im Schulter- und Oberarmbereich
  • Schmerzen bei Überkopfbewegungen
  • Nachtschmerz und Ruheschmerz
  • Schwäche beim Heben und Tragen von Gegenständen
  • Einschränkung der Schulterbeweglichkeit

Das charakteristische „Popeye-Zeichen“ entsteht durch die Verlagerung des Bizepsmuskels nach unten, wodurch eine deutliche Vorwölbung am Oberarm sichtbar wird. Dieses Zeichen ist besonders bei schlanken Personen gut erkennbar.

Ursachen eines Bizepssehnenrisses

Die Ursachen für einen Bizepssehnenriss an der Schulter sind vielfältig und können sowohl akute als auch chronische Faktoren umfassen. Häufig liegt eine Kombination aus degenerativen Veränderungen und akuter Überlastung vor.

Degenerative Ursachen stehen im Vordergrund, da die Bizepssehne mit zunehmendem Alter an Elastizität verliert und anfälliger für Risse wird. Chronische Überlastung durch repetitive Überkopfbewegungen, wie sie bei Sportarten wie Tennis, Volleyball oder Schwimmen auftreten, kann zu Mikroverletzungen und schließlich zum Sehnenriss führen.

Akute Traumata können ebenfalls zu einem Bizepssehnenriss führen. Dazu gehören Stürze auf den ausgestreckten Arm, plötzliche ruckartige Bewegungen beim Heben schwerer Gegenstände oder direkte Schläge auf die Schulter. Besonders gefährdet sind Personen, die regelmäßig schwere körperliche Arbeit verrichten oder Kraftsport betreiben.

Weitere Risikofaktoren umfassen bestehende Schultererkrankungen wie Impingement-Syndrom, Rotatorenmanschettenrisse oder Arthrose des Schultergelenks. Auch Rauchen, Diabetes mellitus und die Einnahme bestimmter Medikamente (Kortikosteroide, Fluorchinolone) können das Risiko für Sehnenverletzungen erhöhen.

Diagnose eines Bizepssehnenrisses

Die Diagnose eines Bizepssehnenrisses erfolgt durch eine Kombination aus Anamnese, körperlicher Untersuchung und bildgebenden Verfahren. Der behandelnde Arzt erfragt zunächst den Unfallhergang und die Symptomatik. Besonders wichtig sind Informationen über den Zeitpunkt des Auftretens, die Art der Beschwerden und eventuelle Vorerkrankungen.

Bei der körperlichen Untersuchung werden spezielle Tests durchgeführt, um die Funktion der Bizepssehne zu überprüfen. Der Speed-Test und der Yergason-Test sind etablierte Untersuchungsmethoden, die Schmerzen bei Bizepssehnenproblemen provozieren können. Das bereits erwähnte „Popeye-Zeichen“ ist bei vollständigen Rissen der langen Bizepssehne oft deutlich sichtbar.

Bildgebende Verfahren sichern die Diagnose und bestimmen das Ausmaß der Verletzung. Die Magnetresonanztomographie (MRT) gilt als Goldstandard für die Darstellung von Weichteilverletzungen und kann sowohl komplette als auch partielle Risse der Bizepssehne zuverlässig nachweisen. Ultraschalluntersuchungen können ebenfalls hilfreich sein, insbesondere zur dynamischen Beurteilung der Sehne.

Röntgenaufnahmen werden hauptsächlich zum Ausschluss von Knochenbrüchen oder anderen knöchernen Verletzungen durchgeführt, da Sehnen im Röntgenbild nicht darstellbar sind.

Konservative Therapie

Die konservative Behandlung eines Bizepssehnenrisses ist oft die erste Therapieoption, insbesondere bei älteren Patienten oder bei Personen mit geringeren funktionellen Ansprüchen. Bei den meisten Betroffene kommt es so zu einer weitgehenden Schmerzlinderung und Wiederherstellung der Funktion.

Akutbehandlung in den ersten Tagen nach der Verletzung erfolgt nach dem PECH-Schema (Pause, Eis, Compression, Hochlagerung). Schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac können die Beschwerden lindern. Eine temporäre Ruhigstellung mittels Schlinge kann in der Akutphase sinnvoll sein.

Physiotherapie spielt eine zentrale Rolle in der konservativen Behandlung. Nach der Akutphase werden schrittweise passive und später aktive Bewegungsübungen eingeleitet. Ziel ist es, die Schulterbeweglichkeit zu erhalten und die umgebende Muskulatur zu stärken. Besonders wichtig ist die Kräftigung der Rotatorenmanschette und der Schulterblattmuskulatur.

Zusätzliche Maßnahmen können Wärme- und Kältetherapie, Elektrotherapie oder manuelle Therapie umfassen. Auch alternative Behandlungsmethoden wie Akupunktur werden von manchen Patienten als hilfreich empfunden, wobei die wissenschaftliche Evidenz hierfür fehlt.

Die konservative Behandlung dauert in der Regel wenige Monate.

Operative Therapie

Eine operative Behandlung kommt nur in Betracht bei jungen, sportlich aktiven Patienten, anhaltende Schmerzen trotz konservativer Behandlung oder funktionelle Einschränkungen, die die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.

Arthroskopische Verfahren, dabei wird die Schulter über kleine Hautschnitte mit einer Kamera (Arthroskop) untersucht und behandelt. Je nach Befund können verschiedene Techniken angewendet werden: die Tenodese (Fixierung der Sehne an einem anderen Knochen).

Offene Operationsverfahren werden seltener durchgeführt.

Nachbehandlung nach der Operation umfasst eine mehrstufige Rehabilitation. In den ersten Wochen steht die Schmerzlinderung und der Schutz der operierten Strukturen im Vordergrund, d.h. kein aktives Beugen mit Last im Ellenbogen. Anschließend folgt eine schrittweise Mobilisierung und Kräftigung unter physiotherapeutischer Anleitung. Die vollständige Heilung kann mehrere Monate dauern.

Die Erfolgsrate operativer Eingriffe ist hoch.

Drei effektive Übungen bei einem Bizepssehnenrisses

Die folgenden Übungen können nach Absprache mit dem behandelnden Arzt oder Physiotherapeuten durchgeführt werden. Sie dienen der Schmerzlinderung, Beweglichkeitserhaltung und Kräftigung. Wichtig ist, dass alle Übungen schmerzfrei ausgeführt werden und bei Verschlechterung der Symptome sofort gestoppt werden.

Wichtiger Hinweis: Alle Übungen sollten schmerzfrei durchgeführt werden. Bei zunehmenden Beschwerden brechen Sie die Übungen ab und konsultieren Sie Ihren Arzt oder Physiotherapeuten. Die Übungen ersetzen keine professionelle medizinische Behandlung und sollten idealerweise unter Anleitung eines qualifizierten Therapeuten erlernt werden.

Übung 1

Stützen Sie sich mit der gesunden Hand auf einen Tisch und lassen Sie den betroffenen Arm entspannt hängen. Führen Sie kleine, kreisende Bewegungen aus, ohne die Schultermuskulatur aktiv anzuspannen. Diese Übung fördert die Durchblutung und erhält die Gelenkbeweglichkeit. Führen Sie 10-15 kreisende Bewegungen in jede Richtung durch.

Übung 2

Legen Sie sich auf den Rücken und umgreifen Sie mit der gesunden Hand das Handgelenk des betroffenen Arms. Heben Sie den betroffenen Arm langsam und kontrolliert nach oben, so weit wie schmerzfrei möglich. Halten Sie die Position für 10-15 Sekunden und senken Sie den Arm wieder ab. Wiederholen Sie die Übung 10-15 Mal.

Übung 3

Ziehen Sie beide Schulterblätter zusammen und nach unten, als würden Sie sie in die Gesäßtaschen stecken wollen. Halten Sie diese Position für 10-15 Sekunden. Diese Übung verbessert die Haltung und stärkt die schulterblattumgebende Muskulatur. Wiederholen Sie 10-15 Mal.

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