Was ist eine Frozen Shoulder?

Die Frozen Shoulder, medizinisch als Adhäsive Kapsulitis bezeichnet, ist eine häufige Erkrankung des Schultergelenks, die mit starken Schmerzen und erheblichen Bewegungseinschränkungen einhergeht. Diese Erkrankung betrifft etwa 2-5% der Bevölkerung und tritt besonders häufig zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr auf. Dabei sind Frauen häufiger betroffen als Männer.

Bei einer Frozen Shoulder handelt es sich um eine schmerzhafte Entzündung und Verdickung der Gelenkkapsel des Schultergelenks. Die Gelenkkapsel schrumpft und verklebt dabei mit sich selbst, was zu einer charakteristischen Einsteifung des Schultergelenks führt. Der medizinische Fachbegriff „Adhäsive Kapsulitis“ beschreibt genau diesen Prozess: Adhäsiv bedeutet „verklebend“ und Kapsulitis steht für die Entzündung der Gelenkkapsel.

Die Erkrankung verläuft typischerweise in drei Phasen: der schmerzhaften Einfrierungsphase (Freezing Phase), der steifen gefrorenen Phase (Frozen Phase) und der Auftauphase (Thawing Phase). Jede Phase kann mehrere Monate andauern, weshalb die Erkrankung oft länger als 1 Jahr andauert.

Symptome der Frozen Shoulder

Die Symptome einer Frozen Shoulder entwickeln sich meist schleichend und verstärken sich über Wochen und Monate progressiv. Charakteristisch ist die Kombination aus starken Schulterschmerzen und zunehmender Bewegungseinschränkung.
Zunächst treten dumpfe, ziehende Schmerzen in der Schulter auf, die sich besonders nachts verstärken und den Schlaf erheblich beeinträchtigen können. Diese Schmerzen strahlen häufig in den Oberarm aus und werden von den Betroffenen als besonders quälend empfunden. Parallel dazu entwickelt sich eine zunehmende Steifigkeit des Schultergelenks, die alle Bewegungsrichtungen betrifft.

Typische Symptome im Überblick:

  • Starke, anhaltende Schulterschmerzen, besonders nachts und in Ruhe
  • Erhebliche Bewegungseinschränkung in alle Richtungen (Rotation, Abduktion, Flexion)
  • Nächtliche Schmerzverstärkung mit Schlafstörungen
  • Schmerzausstrahlung in Oberarm und Nackenbereich
  • Zunehmende Steifigkeit des Schultergelenks über Monate
  • Alltagseinschränkungen beim Anziehen, Kämmen oder Greifen nach hinten
  • Muskelkraftverlust durch Schonhaltung und eingeschränkte Nutzung
  • Wetterabhängige Beschwerden bei Kälte und Feuchtigkeit

Ursachen der Frozen Shoulder

Die genauen Ursachen einer Frozen Shoulder sind noch nicht vollständig verstanden, jedoch lassen sich verschiedene Risikofaktoren und auslösende Mechanismen identifizieren. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen der primären (idiopathischen) und der sekundären Frozen Shoulder.

Die primäre Frozen Shoulder entsteht ohne erkennbare Ursache, während die sekundäre Form durch andere Erkrankungen oder Verletzungen ausgelöst wird. Zu den wichtigsten Risikofaktoren gehören Diabetes mellitus, Schilddrüsenerkrankungen, Autoimmunerkrankungen und hormonelle Veränderungen, insbesondere in den Wechseljahren.

Mechanische Faktoren wie Stürze, längere Ruhigstellung der Schulter nach Verletzungen oder Operationen können ebenfalls eine Frozen Shoulder begünstigen. Auch chronische Entzündungsprozesse im Bereich der Rotatorenmanschette oder des Subakromialraums können zur Entwicklung einer adhäsiven Kapsulitis beitragen.

Diagnose der Frozen Shoulder

Die Diagnose einer Frozen Shoulder basiert primär auf der charakteristischen Anamnese und der klinischen Untersuchung. Dabei prüft der Arzt systematisch die aktive und passive Beweglichkeit des Schultergelenks in allen Ebenen. Typisch ist die deutliche Einschränkung sowohl der aktiven als auch der passiven Beweglichkeit, was die Frozen Shoulder von anderen Schultererkrankungen unterscheidet.

Bildgebende Verfahren wie Röntgen, Ultraschall oder Magnetresonanztomographie (MRT) dienen hauptsächlich dem Ausschluss anderer Erkrankungen wie Kalkablagerungen, Rotatorenmanschettenrissen oder arthrotischen Veränderungen. Im MRT kann die verdickte und entzündete Gelenkkapsel sichtbar gemacht werden, was die Diagnose bestätigt.

Laboruntersuchungen können bei Verdacht auf zugrundeliegende Systemerkrankungen sinnvoll sein, insbesondere die Bestimmung von Blutzucker, Schilddrüsenwerten und Entzündungsparametern.

Konservative Therapie der Frozen Shoulder

Die konservative Behandlung steht bei der Frozen Shoulder im Vordergrund und umfasst verschiedene Therapieansätze, die individuell kombiniert werden. Das Ziel ist die Schmerzreduktion, die Verbesserung der Beweglichkeit und die Beschleunigung des natürlichen Heilungsverlaufs.

Die medikamentöse Therapie erfolgt hauptsächlich mit entzündungshemmenden Medikamenten (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac, die sowohl schmerzlindernd als auch antientzündlich wirken. Bei starken Beschwerden können kurzfristig auch Kortisonpräparate eingesetzt werden, entweder systemisch oder als Injektion direkt in das Schultergelenk.

Die Physiotherapie spielt eine zentrale Rolle und sollte stadiengerecht erfolgen. In der akuten Schmerzphase stehen schmerzlindernde Maßnahmen wie Wärme- oder Kälteanwendungen im Vordergrund, während in späteren Phasen mobilisierende Übungen und Dehnungstechniken zum Einsatz kommen. Manuelle Therapie und Mobilisationstechniken können die Beweglichkeit zusätzlich verbessern.

Weitere konservative Maßnahmen umfassen Injektionstherapien mit Hyaluronsäure oder lokalen Betäubungsmitteln, Stoßwellentherapie und in ausgewählten Fällen auch Akupunktur. Die Behandlung erfordert viel Geduld, da die Besserung langsam eintritt und Monate dauern kann.

Operative Therapie der Frozen Shoulder

Eine operative Behandlung kommt bei der Frozen Shoulder nur in seltenen Fällen zum Einsatz, meist wenn die konservative Therapie über 6-12 Monate keine ausreichende Besserung bringt oder die Beschwerden das tägliche Leben erheblich beeinträchtigen.

Das häufigste operative Verfahren ist die arthroskopische Kapsulotomie, bei der die verklebte und verdickte Gelenkkapsel über kleine Schnitte mit speziellen Instrumenten gelöst bzw. teilreseziert wird. Dieser minimalinvasive Eingriff erfolgt in Vollnarkose häufig in Kombination mit einem lokalen Schmerzblock und ermöglicht meist eine deutliche Verbesserung der Beweglichkeit.

Manipulationen unter Narkose werden nur noch selten durchgeführt werden, da es zu Verletzungen von Gelenkstrukturen führen kann.

Nach jedem operativen Eingriff ist eine intensive physiotherapeutische Nachbehandlung essentiell, um das erzielte Bewegungsausmaß zu erhalten und weiter zu verbessern.

Fünf effektive Übungen bei Frozen Shoulder

Diese Übungen sollten regelmäßig und schmerzangepasst durchgeführt werden. Bei starken Schmerzen ist eine vorherige Rücksprache mit dem behandelnden Arzt oder Physiotherapeuten empfehlenswert.

Wichtiger Hinweis: Alle Übungen sollten schmerzfrei durchgeführt werden. Bei zunehmenden Beschwerden brechen Sie die Übungen ab und konsultieren Sie Ihren Arzt oder Physiotherapeuten. Die Übungen ersetzen keine professionelle medizinische Behandlung und sollten idealerweise unter Anleitung eines qualifizierten Therapeuten erlernt werden.

Übung 1

Lehnen Sie sich mit der gesunden Hand an einem Tisch ab und lassen Sie den betroffenen Arm locker herabhängen. Bewegen Sie den Arm sanft kreisend, vor und zurück sowie seitlich. Die Bewegung sollte aus dem Körper heraus entstehen, nicht aus der Schulter. Führen Sie diese Übung 2-3 Minuten mehrmals täglich durch.

Übung 2

Stellen Sie sich frontal vor eine Wand und „klettern“ Sie mit den Fingern der betroffenen Hand langsam die Wand nach oben. Markieren Sie die erreichte Höhe und versuchen Sie täglich, etwas höher zu kommen. Diese Übung verbessert die Flexion und kann auch seitlich zur Wand durchgeführt werden, um die Abduktion zu trainieren.

Übung 3

Nehmen Sie ein Handtuch in beide Hände, die gesunde Hand oben, die betroffene unten hinter dem Rücken. Ziehen Sie das Handtuch sanft nach oben mit der gesunden Hand und bewegen Sie dabei die betroffene Hand nach oben. Halten Sie die Dehnung 15-30 Sekunden und wiederholen Sie sie mehrmals.

Übung 4

Stellen Sie sich in einen Türrahmen und legen Sie den Unterarm der betroffenen Seite an den Türrahmen. Machen Sie einen kleinen Schritt nach vorne, sodass eine sanfte Dehnung in der vorderen Schulter entsteht. Variieren Sie die Höhe des Arms, um verschiedene Bereiche zu dehnen. Halten Sie 30 Sekunden.

Übung 5

Legen Sie sich auf die gesunde Seite und winkeln Sie den betroffenen Arm 90 Grad an. Halten Sie einen leichten Gegenstand (z.B. eine kleine Wasserflasche) in der Hand und heben Sie diesen langsam nach oben, wobei der Ellenbogen am Körper bleibt. Senken Sie den Arm kontrolliert wieder ab. Beginnen Sie mit 10 Wiederholungen.

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