Was ist eine Kalkschulter?
Die Kalkschulter, medizinisch als Tendinosis calcarea oder Periarthritis humeroscapularis bezeichnet, ist eine schmerzhafte Erkrankung der Schulter, bei der sich Kalkablagerungen in den Sehnen der Rotatorenmanschette bilden. Diese Kalkdepots entstehen hauptsächlich in der Supraspinatussehne, können aber auch andere Sehnen der Schultermuskulatur betreffen.
Die Erkrankung verläuft typischerweise in drei Phasen: In der ersten Phase lagert sich Kalziumkarbonat in der Sehne ab, ohne dass Beschwerden auftreten. Die zweite Phase ist durch starke Schmerzen gekennzeichnet, wenn der Körper versucht, die Kalkablagerungen zu resorbieren. In der dritten Phase lösen sich die Kalkdepots auf und die Beschwerden klingen ab.
Besonders häufig sind Frauen zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr von einer Kalkschulter betroffen. Die Erkrankung tritt meist einseitig auf, kann aber in seltenen Fällen auch beide Schultern gleichzeitig betreffen. Die meisten Kalkdepots bleiben klinisch stumm und lösen sich ohne Beschwerden auf.
Symptome der Kalkschulter
Die Beschwerden einer Kalkschulter entwickeln sich oft schleichend und können in ihrer Intensität stark variieren. Während manche Patienten nur geringe Beschwerden verspüren, leiden andere unter starken, bewegungseinschränkenden Schmerzen.
Typische Symptome im Überblick
- Starke, stechende Schulterschmerzen, besonders nachts
- Bewegungseinschränkung des Schultergelenks
- Schmerzverstärkung beim Heben des Arms über Kopfhöhe
- Druckschmerz am seitlichen Oberarm
- Ausstrahlung der Schmerzen in den Oberarm und Nacken
- Schlafstörungen aufgrund nächtlicher Schmerzen
- Kraftverlust beim Greifen und Heben
- Schmerzen beim Liegen auf der betroffenen Seite
Ursachen der Kalkschulter
Die genauen Ursachen für die Entstehung einer Kalkschulter sind noch nicht vollständig erforscht. Mediziner gehen davon aus, dass eine Kombination verschiedener Faktoren zur Kalkeinlagerung in den Sehnen führt.
Ein wesentlicher Faktor ist die altersbedingte Durchblutungsstörung der Sehnen. Mit zunehmendem Alter verschlechtert sich die Blutversorgung des Sehnengewebes, wodurch die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung beeinträchtigt wird. Dies kann zu degenerativen Veränderungen führen, die die Kalkeinlagerung begünstigen. Durch eine Fehlsteuerung produzieren Sehnenzellen (Tenozyten) knorpelartiges Gewebe.
Mechanische Belastung spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Überkopfarbeiten, repetitive Bewegungen oder eine dauerhaft schlechte Körperhaltung können zu Mikrotraumata in der Sehne führen. Der Körper reagiert auf diese Schädigungen mit Reparaturprozessen, bei denen es zur Kalkablagerung kommen kann.
Hormonelle Einflüsse, insbesondere bei Frauen in den Wechseljahren, werden als weitere mögliche Ursache diskutiert. Der sinkende Östrogenspiegel kann sich negativ auf die Sehnenstruktur auswirken und Entzündungsprozesse fördern.

Diagnose der Kalkschulter
Die Diagnose einer Kalkschulter beginnt mit einer ausführlichen Anamnese und körperlichen Untersuchung. Der Arzt erfragt die Beschwerden, deren Verlauf und mögliche auslösende Faktoren. Bei der körperlichen Untersuchung werden verschiedene Bewegungstests durchgeführt, um die Funktion der Schulter zu beurteilen.
Das wichtigste bildgebende Verfahren zur Diagnose ist das Röntgen. Auf den Röntgenaufnahmen sind die Kalkablagerungen als helle, wolkenartige Strukturen deutlich erkennbar. Je nach Größe und Lokalisation der Kalkdepots können diese unterschiedlich stark ausgeprägt sein.
Eine Ultraschalluntersuchung kann zusätzliche Informationen über den Zustand der Weichteile liefern und eventuelle Begleitentzündungen aufzeigen. In komplexeren Fällen oder zur Operationsplanung kann eine Magnetresonanztomographie (MRT) erforderlich sein, die detaillierte Bilder der Sehnenstrukturen und des umgebenden Gewebes liefert.
Konservative Therapie
Die meisten Patienten mit einer Kalkschulter können erfolgreich konservativ behandelt werden. Die Therapie richtet sich nach dem Stadium der Erkrankung und der Intensität der Beschwerden.
In der akuten Schmerzphase steht die Schmerzlinderung im Vordergrund. Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen, Voltaren oder Diclofenac können sowohl die Schmerzen reduzieren als auch die Entzündung hemmen. Bei starken Beschwerden kann eine Kortisoninjektion direkt in das Schultergelenk erwogen werden.
Die Physiotherapie spielt eine zentrale Rolle in der Behandlung. Zunächst werden sanfte Mobilisationstechniken angewendet, um die Beweglichkeit zu erhalten. Später kommen aktive Übungen zur Kräftigung der Schultermuskulatur hinzu. Wichtig ist, dass die Übungen schmerzfrei durchgeführt werden können.
Physikalische Therapiemaßnahmen wie Wärme- oder Kälteanwendungen können die Beschwerden lindern. Elektrotherapie und Ultraschallbehandlungen können ebenfalls zur Schmerzreduktion beitragen.
Die Stoßwellentherapie hat sich als effektive Behandlungsmethode etabliert. Hochenergetische Schallwellen werden auf die Kalkablagerungen gerichtet und können diese zertrümmern, wodurch die Resorption gefördert wird.
Operative Therapie
Eine Operation wird nur dann in Betracht gezogen, wenn die konservative Behandlung erfolglos bleibt und die Beschwerden die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.
Der minimalinvasive arthroskopische Eingriff ist heute die bevorzugte Operationsmethode. Dabei werden über kleine Hautschnitte eine Kamera und spezielle Instrumente in das Schultergelenk eingeführt. Die Kalkablagerungen werden unter Sicht entfernt und eventuell vorhandene Engstellen erweitert. Auch bei größeren Kalkdepots oder begleitenden Sehnenschäden ist der minimalinvasive Zugang Therapie der Wahl.
Die Nachbehandlung nach einer Operation ist entscheidend für den Heilungserfolg. In den ersten Tagen wird die Schulter ruhiggestellt, danach beginnt schrittweise die physiotherapeutische Behandlung zur Wiederherstellung der Beweglichkeit und Kraft.

Vier effektive Übungen bei einer Kalkschulter
Wichtiger Hinweis: Alle Übungen sollten schmerzfrei durchgeführt werden. Bei zunehmenden Beschwerden brechen Sie die Übungen ab und konsultieren Sie Ihren Arzt oder Physiotherapeuten. Die Übungen ersetzen keine professionelle medizinische Behandlung und sollten idealerweise unter Anleitung eines qualifizierten Therapeuten erlernt werden.
Übung 1: Wandklettern
Stellen Sie sich frontal vor eine Wand und „klettern“ Sie mit den Fingerspitzen der betroffenen Hand langsam an der Wand hoch, so weit es schmerzfrei möglich ist. Halten Sie die Position kurz und gleiten Sie dann wieder nach unten. Diese Übung verbessert die Beweglichkeit nach oben. Wiederholen Sie die Übung 10-12 Mal.
Übung 2: Externe Rotation mit Handtuch
Nehmen Sie ein Handtuch in beide Hände und halten Sie es hinter dem Rücken. Die gesunde Hand greift das Handtuch von oben, die betroffene von unten. Ziehen Sie vorsichtig mit der gesunden Hand nach oben und dehnen Sie dabei die betroffene Schulter. Halten Sie die Dehnung 15-20 Sekunden und wiederholen Sie sie 5 Mal.
Übung 3: Schulterblatt-Aktivierung
Setzen Sie sich aufrecht hin und ziehen Sie die Schulterblätter zusammen, als wollten Sie einen Bleistift zwischen ihnen einklemmen. Halten Sie die Spannung 5 Sekunden und entspannen Sie dann. Diese Übung stärkt die Muskulatur zwischen den Schulterblättern und verbessert die Körperhaltung. Führen Sie 10-15 Wiederholungen durch.
Übung 4: Isometrische Kräftigung
Stellen Sie sich seitlich zu einer Wand und drücken Sie mit dem Handrücken der betroffenen Seite gegen die Wand, ohne dabei den Arm zu bewegen. Halten Sie die Anspannung 5-10 Sekunden. Diese isometrische Übung kräftigt die Schultermuskulatur ohne schmerzhafte Bewegungen. Wiederholen Sie die Übung 8-10 Mal.
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