Was ist ein Labrumriss der Schulter?

Ein Labrumriss der Schulter bezeichnet eine Verletzung des Labrums, einer faserknorpeligen Struktur, die den Rand der Gelenkpfanne (Glenoid) der Schulter umgibt. Das Labrum stabilisiert das Schultergelenk und vertieft die relativ flache Gelenkpfanne, wodurch der Oberarmkopf besser in der Pfanne gehalten wird. Bei einem Labrumriss kommt es zu einem Einriss oder einer Ablösung dieser wichtigen Stabilisierungsstruktur.

Das Schultergelenk ist das beweglichste Gelenk des menschlichen Körpers, was es gleichzeitig besonders anfällig für Verletzungen macht. Das Labrum spielt eine entscheidende Rolle für die Stabilität und Funktion des Gelenks. Ein Labrumriss kann sowohl traumatisch durch einen Unfall als auch degenerativ durch Verschleiß entstehen.

Symptome eines Labrumrisses der Schulter

Die Symptome eines Labrumrisses können vielfältig sein und hängen von der Lokalisation und dem Ausmaß der Verletzung ab. Häufig entwickeln sich die Beschwerden schleichend, können aber auch akut nach einem Trauma auftreten. Die Intensität der Symptome variiert stark zwischen den Betroffenen.

Typische Symptome im Überblick

  • Tiefe Schulterschmerzen, besonders bei Überkopfbewegungen
  • Schmerzhafte Klick- oder Schnappgeräusche bei Bewegungen der Schulter
  • Instabilitätsgefühl oder wiederkehrende Schulterluxationen
  • Kraftverlust beim Heben oder Tragen von Gegenständen
  • Nächtliche Schmerzen, die den Schlaf beeinträchtigen (eher seltener)
  • Eingeschränkte Beweglichkeit der Schulter, besonders bei Rotation
  • Gefühl des „Verhakens“ bei bestimmten Bewegungen
  • Schmerzen bei sportlichen Aktivitäten, insbesondere bei Wurf- oder Überkopfsportarten

Ursachen eines Labrumrisses

Die Ursachen für einen Labrumriss der Schulter lassen sich in traumatische und degenerative Faktoren unterteilen. Häufig spielen auch wiederholte Belastungen eine entscheidende Rolle bei der Entstehung der Verletzung.

Traumatische Ursachen entstehen durch akute Verletzungen wie Stürze auf den ausgestreckten Arm, Schulterluxationen oder direkte Schläge auf die Schulter. Besonders Kontakt- und Überkopfsportarten bergen ein erhöhtes Risiko für traumatische Labrumrisse.

Degenerative Ursachen entwickeln sich über längere Zeiträume durch Verschleiß. Mit zunehmendem Alter verliert das Labrum an Elastizität und wird anfälliger für Risse. Wiederholte Überkopfbewegungen, wie sie bei Tennisspielern, Schwimmern oder Handwerkern auftreten, können zu einer allmählichen Schädigung des Labrums führen.

Anatomische Faktoren wie eine angeborene Schulterinstabilität oder Fehlstellungen können ebenfalls das Risiko für einen Labrumriss erhöhen. Auch vorherige Schulterverletzungen oder Operationen können die Wahrscheinlichkeit für eine Labrumläsion steigern.

Diagnose eines Labrumrisses

Die Diagnose eines Labrumrisses erfordert eine sorgfältige klinische Untersuchung kombiniert mit bildgebenden Verfahren. Der Diagnoseprozess beginnt mit einer ausführlichen Anamnese, bei der der Arzt nach der Entstehung der Beschwerden, der Schmerzlokalisation und begleitenden Symptomen fragt.

Bei der körperlichen Untersuchung werden spezielle Tests durchgeführt, um die Stabilität der Schulter zu prüfen und Hinweise auf einen Labrumriss zu finden. Dazu gehören der O’Brien- oder Apprehension-Test, die charakteristische Schmerzen oder Instabilitätsgefühle auslösen können.

Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist das wichtigste bildgebende Verfahren zur Diagnose eines Labrumrisses. Häufig wird eine MRT-Arthrographie durchgeführt, bei der Kontrastmittel in das Gelenk gespritzt wird, um auch kleinere Risse sichtbar zu machen. Die Computertomographie (CT) kann ergänzend eingesetzt werden, um knöcherne Veränderungen zu beurteilen.

In manchen Fällen ist eine Arthroskopie (Gelenkspiegelung) notwendig, um die Diagnose zu sichern und gleichzeitig eine Behandlung durchzuführen. Dieses minimal-invasive Verfahren ermöglicht eine direkte Beurteilung des Labrums und anderer Gelenkstrukturen.

Konservative Therapie

Die konservative Behandlung eines Labrumrisses steht oft am Beginn der Therapie, besonders bei älteren Patienten oder bei degenerativen Rissen ohne signifikante Instabilität. Das Ziel ist die Schmerzreduktion und die Wiederherstellung der Schulterfunktion ohne operative Eingriffe.

Schmerztherapie und Entzündungshemmung bilden die Grundlage der konservativen Behandlung. Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) können Schmerzen lindern und Entzündungen reduzieren.

Physiotherapie spielt eine zentrale Rolle in der konservativen Behandlung. Ein strukturiertes Übungsprogramm zielt darauf ab, die Muskulatur rund um die Schulter zu stärken und die Beweglichkeit zu verbessern. Besonders die Rotatorenmanschette und die Schulterblattmuskulatur werden gezielt trainiert, um die Gelenkstabilität zu erhöhen.

Manuelle Therapie und spezielle Mobilisationstechniken können die Beweglichkeit verbessern und Muskelverspannungen lösen. Zusätzlich können physikalische Therapiemaßnahmen wie Wärme- oder Kälteanwendungen unterstützend eingesetzt werden.

Die Erfolgsrate der konservativen Therapie variiert je nach Art und Ausmaß des Labrumrisses. Bei vielen Patienten, insbesondere mit degenerativen Rissen, kann eine deutliche Besserung der Beschwerden erreicht werden.

Operative Therapie

Eine operative Behandlung wird bei jüngeren, aktiven Patienten oder bei Versagen der konservativen Therapie in Betracht gezogen. Besonders bei traumatischen Rissen mit Instabilität ist oft ein chirurgischer Eingriff notwendig.

Arthroskopische Labrumrefixation ist das Standardverfahren bei Labrumrissen. Über kleine Hautschnitte werden spezielle Instrumente und eine Kamera in das Gelenk eingeführt. Das abgerissene Labrum wird dabei mit Fadenankern wieder am Pfannenrand befestigt. Dieser minimal-invasive Eingriff hat den Vorteil geringerer Weichteilverletzungen und schnellerer Heilung.

Labrumrekonstruktion kommt zum Einsatz, wenn das Labrum stärker geschädigt ist. Die Rekonstruktion erfolgt mithilfe der Labrumreste und der Kapsel. Ziel ist das Labrum zu rekonstruieren und die Gelenkstabilität wiederherzustellen.

Offene Operation sind in der Regel nicht notwendig.

Die Nachbehandlung nach einer Labrumoperation ist entscheidend für den Erfolg. Zunächst wird die Schulter für 1-2 Wochen in einer Schlinge ruhiggestellt, gefolgt von einem strukturierten Rehabilitationsprogramm. Die vollständige Wiederherstellung kann mehrere Monate dauern.

Vier Übungen bei einem Labrumriss der Schulter ohne stattgehabter Luxation bei Mikroinstabilität

Die folgenden Übungen können bei einem Labrumriss der Schulter hilfreich sein, sollten jedoch immer in Absprache mit einem Arzt oder Physiotherapeuten durchgeführt werden. Die Intensität und der Zeitpunkt des Beginns hängen vom Stadium der Heilung und der individuellen Situation ab.

Wichtiger Hinweis: Alle Übungen sollten schmerzfrei durchgeführt werden. Bei zunehmenden Beschwerden brechen Sie die Übungen ab und konsultieren Sie Ihren Arzt oder Physiotherapeuten. Die Übungen ersetzen keine professionelle medizinische Behandlung und sollten idealerweise unter Anleitung eines qualifizierten Therapeuten erlernt werden.

Übung 1

Lassen Sie den betroffenen Arm locker hängen und führen Sie kleine kreisende Bewegungen aus, indem Sie den Oberkörper leicht bewegen. Diese Übung mobilisiert das Gelenk sanft und kann Schmerzen lindern. Führen Sie die Bewegung 10-15 Mal in jede Richtung aus.

Übung 2

Legen Sie sich seitlich auf die gesunde Seite und halten Sie den betroffenen Arm im rechten Winkel vor dem Körper. Mit der gesunden Hand führen Sie den betroffenen Unterarm langsam nach außen. Halten Sie die Position für 15-30 Sekunden und wiederholen Sie die Übung 5-10 Mal.

Übung 3

Stehen Sie seitlich neben einer Wand und drücken Sie mit dem Handrücken gegen die Wand, ohne dass eine Bewegung stattfindet. Halten Sie die Spannung für 5-10 Sekunden und wiederholen Sie die Übung 10-15 Mal. Diese Übung stärkt die Rotatorenmanschette.

Übung 4

Ziehen Sie die Schulterblätter zusammen und halten Sie diese Position für 5-10 Sekunden. Achten Sie darauf, dass die Schultern nicht nach oben wandern. Diese Übung stabilisiert die Schulterblätter und unterstützt die gesamte Schulterfunktion. Wiederholen Sie 10-15 Mal.

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