Was ist eine Schultereckgelenksprengung?

Eine Schultereckgelenksprengung, medizinisch als Akromioklavikulargelenk-Luxation (AC-Gelenk-Luxation) bezeichnet, ist eine Verletzung des Gelenks zwischen Schlüsselbein (Klavikula) und Schulterdach (Akromion). Bei dieser Verletzung werden die stabilisierenden Bänder des Schultereckgelenks teilweise oder vollständig zerrissen, was zu einer schmerzhaften Verschiebung der Gelenkpartner führt. Die Schultereckgelenksprengung gehört zu den häufigsten Schulterverletzungen und betrifft besonders aktive Menschen zwischen 20 und 40 Jahren.

Das Schultereckgelenk verbindet das äußere Ende des Schlüsselbeins mit dem Schulterdach und wird durch mehrere Bänder stabilisiert. Die wichtigsten stabilisierenden Strukturen sind die akromioklavikulären Bänder und die korakoklavikulären Bänder (Trapezoid- und Konoidband). Je nach Schweregrad der Verletzung werden Schultereckgelenksprengungen nach der Rockwood-Klassifikation in sechs Grade eingeteilt.

Symptome der Schultereckgelenksprengung

Die Symptome einer Schultereckgelenksprengung variieren je nach Schweregrad der Verletzung. Typischerweise treten die Beschwerden unmittelbar nach dem auslösenden Trauma auf und können sich über Stunden bis Tage verstärken. Patienten berichten häufig über einen stechenden Schmerz im Bereich des Schultereckgelenks, der sich bei Bewegungen der betroffenen Schulter deutlich verstärkt.

Bei höhergradigen Verletzungen kann eine sichtbare Stufenbildung oder Verformung im Bereich des Schultereckgelenks auftreten, die durch das Absinken des Schulterblatts bei gleichzeitigem Hochstand des Schlüsselbeins entsteht. Die Beweglichkeit der Schulter ist meist deutlich eingeschränkt, wobei besonders das seitliche Anheben des Arms schmerzhaft ist.

Typische Symptome im Überblick

  • Starke Schmerzen im Schultereckgelenk, besonders bei Bewegung
  • Druckschmerz über dem AC-Gelenk
  • Schwellung und Bluterguss im Schulterbereich
  • Sichtbare Stufenbildung oder Deformität (bei höhergradigen Verletzungen)
  • Eingeschränkte Beweglichkeit der Schulter
  • Schmerzen beim Liegen auf der betroffenen Seite
  • Kraftverlust beim Heben und Tragen
  • Verstärkung der Schmerzen bei Überkopfbewegungen
  • Klaviertastenphänomen (federnde Beweglichkeit des Schlüsselbeins)

Ursachen einer Schultereckgelenksprengung

Die Schultereckgelenksprengung entsteht typischerweise durch direkte oder indirekte Gewalteinwirkung, wodurch es zu einer Überdehnung und schließlich zum Riss der stabilisierenden Bänder kommt.

Besonders gefährdet sind Sportler, die Kontakt- oder Risikosportarten ausüben. Radfahren, Skifahren, Rugby, Fußball und Reiten gehören zu den Sportarten mit dem höchsten Risiko für Schultereckgelenksprengungen. Auch im Alltag können Stürze, beispielsweise von der Leiter oder bei Glatteis, zu dieser Verletzung führen.

Männer sind etwa fünfmal häufiger betroffen als Frauen, was auf die größere Beteiligung an risikoreichen Aktivitäten zurückzuführen ist. Das Risiko steigt auch mit zunehmendem Alter, da die Bänder mit der Zeit an Elastizität verlieren und somit anfälliger für Verletzungen werden.

Diagnose der Schultereckgelenksprengung

Die Diagnose einer Schultereckgelenksprengung erfolgt durch eine Kombination aus Anamnese, körperlicher Untersuchung und bildgebenden Verfahren.

Meist deutet bereits bei der Inspektion die Fehlstellung oder Schwellung auf eine Verletzung hin. Bei der körperlichen Untersuchung werden verschiedene Tests durchgeführt, um die Stabilität des Schultereckgelenks zu beurteilen. Das Klaviertastenphänomen oder der Cross-over-Test sind spezielle Untersuchungstechniken, die Schmerzen im Schultereck-Gelenk (AC-Gelenk) provozieren können.

Röntgenaufnahmen der Schulter in verschiedenen Ebenen sind das wichtigste bildgebende Verfahren zur Diagnose und Klassifikation der Schultereckgelenksprengung. Gehaltene Aufnahmen, bei denen der Patient Gewichte in den Händen hält, können die Instabilität besser darstellen. In unklaren Fällen oder zur Beurteilung von Begleitverletzungen kann eine Magnetresonanztomographie (MRT) erforderlich sein.

Konservative Therapie

Die konservative Behandlung ist bei niedriggradigen Schultereckgelenksprengungen (Rockwood I-II) die Therapie der Wahl und kann auch bei ausgewählten Grad III-Verletzungen erfolgreich angewendet werden. Das Ziel der konservativen Therapie ist die Schmerzlinderung, die Wiederherstellung der Funktion und die Vermeidung von Folgeschäden.

In der Akutphase steht die Ruhigstellung der Schulter im Vordergrund. Eine Armschlinge oder ein spezieller Schulterverband wird für ein bis zwei Wochen getragen, um das verletzte Gelenk zu entlasten. Die Schmerztherapie erfolgt mit nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac, die zusätzlich entzündungshemmend wirken.

Die Kryotherapie (Kälteanwendung) in den ersten 48-72 Stunden nach der Verletzung hilft, Schwellung und Schmerzen zu reduzieren. Anschließend beginnt die schrittweise Mobilisation unter physiotherapeutischer Anleitung. Zunächst werden passive Bewegungsübungen durchgeführt, gefolgt von aktiven Bewegungen und später kraftaufbauenden Übungen.

Die konservative Therapie erstreckt sich meist über 6-12 Wochen. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind wichtig, um den Heilungsverlauf zu überwachen und die Therapie entsprechend anzupassen. Bei konsequenter Durchführung können auch höhergradige Verletzungen erfolgreich konservativ behandelt werden, wobei eine Restdeformität oft zurückbleibt.

Operative Therapie

Eine operative Behandlung wird bei instabilen, höhergradigen Schultereckgelenksprengungen (Rockwood IV-VI) und bei ausgewählten Grad III-Verletzungen empfohlen. Auch bei jungen, sportlich aktiven Patienten wird häufig die operative Versorgung bevorzugt, um eine optimale Funktion und Stabilität zu gewährleisten.

Das Ziel der Operation ist die anatomische Wiederherstellung der Gelenkstellung und die Stabilisierung des Schultereckgelenks. Verschiedene Operationsverfahren stehen zur Verfügung, wobei die Wahl der Methode von der Art und dem Schweregrad der Verletzung abhängt. Zu den am häufigsten angewendeten Techniken gehört die Rekonstruktion durch Fadensysteme aus extrem reißfesten Fäden, mit deren Hilfe flaschenzugartig die Clavicula wieder nach unten in die frühere Position gezogen wird (z.B. Tight rope System). Dieser Eingriff erfolgt in der Regel arthroskopisch gestützt. Die ursprüngliche Gelenkstellung kann auch durch den Einsatz der Hakenplatte erreicht werden. Diese wird offen, nicht minimal-invasiv eingesetzt.

Die Operation wird meist in Vollnarkose durchgeführt und dauert etwa eine Stunde. Nach dem Eingriff ist eine Ruhigstellung für zwei bis sechs Wochen erforderlich, gefolgt von einer intensiven Physiotherapie. Hohe Belastungen sind in der Regel erst wieder nach 3 Monaten möglich. Die Hakenplatte muss nach 3-6 Monaten in einem zweiten Eingriff entfernt.

Vier Übungen bei einer Schultereckgelenksprengung

Die folgenden Übungen sollten erst nach Abklingen der akuten Beschwerden und in Absprache mit dem behandelnden Arzt oder Physiotherapeuten durchgeführt werden. Sie dienen der schrittweisen Mobilisation und Kräftigung der Schultermuskulatur und unterstützen den Heilungsprozess.

Wichtiger Hinweis: Alle Übungen sollten schmerzfrei durchgeführt werden. Bei zunehmenden Beschwerden brechen Sie die Übungen ab und konsultieren Sie Ihren Arzt oder Physiotherapeuten. Die Übungen ersetzen keine professionelle medizinische Behandlung und sollten idealerweise unter Anleitung eines qualifizierten Therapeuten erlernt werden.

Übung 1

Lassen Sie den betroffenen Arm locker hängen und schwingen Sie ihn vorsichtig in kleinen kreisförmigen Bewegungen. Beginnen Sie mit 10 Wiederholungen in jede Richtung und steigern Sie langsam. Diese Übung fördert die Durchblutung und lockert verspannte Muskulatur, ohne das Gelenk zu belasten.

Übung 2

Befestigen Sie ein Theraband in Ellbogenhöhe und halten Sie das andere Ende mit der betroffenen Hand. Der Ellbogen bleibt am Körper angelegt. Führen Sie den Unterarm langsam nach außen gegen den Widerstand des Bandes. Diese Übung kräftigt die Außenrotatoren der Schulter.

Übung 3

Ziehen Sie die Schulterblätter bewusst zusammen und halten Sie diese Position für 5-10 Sekunden. Achten Sie darauf, dass die Schultern nicht zu den Ohren hochgezogen werden. Diese Übung stärkt die Muskulatur zwischen den Schulterblättern und verbessert die Haltung.

Übung 4

Drücken Sie die betroffene Hand gegen eine Wand oder einen festen Gegenstand, ohne dass eine Bewegung stattfindet. Halten Sie die Spannung für 5-10 Sekunden. Variieren Sie die Richtung des Drucks (nach vorne, zur Seite, nach oben). Diese Übungen kräftigen die Schultermuskulatur schonend, ohne das Gelenk zu bewegen.

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