Was ist eine Schulterinstabilität?

Die Schulterinstabilität bezeichnet eine Lockerung oder einen Verlust der normalen Führung des Oberarmkopfes in der Gelenkpfanne des Schulterblatts. Das Schultergelenk ist das beweglichste Gelenk des menschlichen Körpers und gleichzeitig eines der instabilsten. Diese hohe Beweglichkeit wird durch ein komplexes Zusammenspiel aus Knochen, Bändern, Sehnen und Muskeln ermöglicht, wobei die Gelenkpfanne (Glenoid) verhältnismäßig klein und flach ist.

Bei einer Schulterinstabilität können verschiedene Strukturen betroffen sein: die Gelenkkapsel, die stabilisierenden Bänder (Ligamente), die Gelenklippe (Labrum) oder die umgebende Muskulatur. Je nach Ausprägung unterscheidet man zwischen einer leichten Instabilität (Subluxation) und einer kompletten Ausrenkung (Luxation). Die Instabilität kann in verschiedene Richtungen auftreten – nach vorne (anterior), nach hinten (posterior) oder nach unten (inferior).

Symptome der Schulterinstabilität

Die Symptome einer Schulterinstabilität können je nach Schweregrad und Art der Instabilität variieren. Betroffene berichten häufig über ein Gefühl der Unsicherheit oder des „Herausspringens“ der Schulter bei bestimmten Bewegungen. Besonders bei Überkopfbewegungen oder beim Heben schwerer Gegenstände können die Beschwerden verstärkt auftreten.

Typische Anzeichen sind Schmerzen, die oft diffus im gesamten Schulterbereich lokalisiert sind und bei Belastung zunehmen. Viele Patienten entwickeln eine Schonhaltung und vermeiden bestimmte Bewegungen unbewusst. Dies kann zu einer fortschreitenden Schwächung der stabilisierenden Muskulatur führen und die Problematik verstärken.

Typische Symptome im Überblick

  • Instabilitätsgefühl: Gefühl, als würde die Schulter „herausspringen“ oder sich lockern
  • Schmerzen: Diffuse Schulterschmerzen, besonders bei Bewegung und Belastung
  • Bewegungseinschränkung: Vermeidung bestimmter Arm- und Schulterpositionen
  • Kraftverlust: Schwäche beim Heben, Tragen oder bei Überkopfaktivitäten
  • Muskelspannungen: Verspannungen der umgebenden Schulter- und Nackenmuskulatur
  • Knackgeräusche: Hör- oder spürbare Geräusche bei Schulterbewegungen
  • Taubheitsgefühle: Gelegentliche Missempfindungen im Arm oder in den Fingern
  • Schlafstörungen: Schmerzen beim Liegen auf der betroffenen Seite

Ursachen der Schulterinstabilität

Die Ursachen einer Schulterinstabilität lassen sich in traumatische und atraumatische Faktoren unterteilen. Traumatische Instabilitäten entstehen durch akute Verletzungen, wie sie häufig bei Kontakt- oder Überkopfsportarten auftreten. Ein Sturz auf den ausgestreckten Arm oder ein direkter Schlag auf die Schulter kann zu einer Erstluxation führen, die das Risiko für weitere Instabilitätsepisoden erhöht.

Atraumatische Instabilitäten entwickeln sich hingegen schleichend und sind oft auf anatomische Besonderheiten, Überlastung oder muskuläre Dysbalancen zurückzuführen. Menschen mit einer angeborenen Bindegewebsschwäche (Hypermobilität) haben ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Schulterinstabilität. Auch repetitive Überkopfbewegungen, wie sie bei Schwimmern, Werfern oder Volleyballspielern auftreten, können zu einer allmählichen Lockerung der stabilisierenden Strukturen führen.

Weitere Risikofaktoren umfassen eine unzureichende Rumpfstabilität, muskuläre Dysbalancen zwischen den Schulterblattmuskeln und den Rotatorenmanschettenmuskeln sowie anatomische Variationen der Gelenkpfanne. Auch das Alter spielt eine Rolle: Jüngere Patienten haben nach einer Erstluxation ein höheres Risiko für Rezidive, während bei älteren Patienten häufiger Begleitverletzungen der Rotatorenmanschette auftreten.

Diagnose der Schulterinstabilität

Die Diagnose einer Schulterinstabilität basiert auf einer sorgfältigen Anamnese und körperlichen Untersuchung. Der behandelnde Arzt erfragt zunächst die Beschwerdesymptomatik, den Verletzungsmechanismus und eventuelle Vorschädigungen. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei sportlichen Aktivitäten und beruflichen Belastungen.

Die körperliche Untersuchung umfasst verschiedene spezielle Tests zur Überprüfung der Schulterinstabilität. Hierzu gehören der Apprehension-Test, der Relocation-Test und der Load-and-Shift-Test. Diese Tests können Hinweise auf die Richtung und den Grad der Instabilität geben. Zusätzlich wird die Beweglichkeit des Gelenks, die Kraft der umgebenden Muskulatur und die neurologische Funktion überprüft.

Bildgebende Verfahren ergänzen die klinische Diagnostik. Röntgenaufnahmen können knöcherne Verletzungen oder Absprengungen erkennen, während die Magnetresonanztomographie (MRT) Weichteilverletzungen wie Labrumrisse oder Kapsel-Band-Verletzungen darstellt. In speziellen Fällen kann eine MRT-Arthrographie mit Kontrastmittel zusätzliche Informationen liefern. Bei unklaren Befunden oder zur Operationsplanung kann auch eine Arthroskopie (Gelenkspiegelung) diagnostisch eingesetzt werden.

Konservative Therapie

Die konservative Behandlung steht bei der Mehrzahl der Patienten mit Schulterinstabilität im Vordergrund und zeigt oft gute Erfolge. Das Ziel der nicht-operativen Therapie ist die Stabilisierung des Gelenks durch Kräftigung der umgebenden Muskulatur, Verbesserung der propriozeptiven Fähigkeiten und Optimierung der Bewegungsmuster.

Die Physiotherapie bildet das Herzstück der konservativen Behandlung. Zunächst stehen schmerzlindernde Maßnahmen und die Wiederherstellung der vollen Beweglichkeit im Vordergrund. Anschließend folgt ein systematisches Krafttraining, das besonders die Rotatorenmanschette und die schulterblattfixierenden Muskeln stärkt. Ein wichtiger Aspekt ist das propriozeptive Training, bei dem die Tiefensensibilität und die muskuläre Koordination verbessert werden.

Begleitend können physikalische Therapiemaßnahmen wie Kälteanwendungen, Elektrotherapie oder manuelle Therapie eingesetzt werden. In der akuten Phase können entzündungshemmende Medikamente die Schmerzen lindern und die Rehabilitation unterstützen. Wichtig ist auch die Aufklärung des Patienten über instabilitätsfördernde Bewegungen und die Anpassung sportlicher oder beruflicher Aktivitäten.

Die Erfolgsaussichten der konservativen Therapie hängen von verschiedenen Faktoren ab, einschließlich des Alters des Patienten, der Art der Instabilität und der Compliance bei der Durchführung der Übungen. Bei atraumatischen Instabilitäten und multidirektionalen Instabilitäten sind die Erfolgsraten der konservativen Therapie besonders hoch.

Operative Therapie

Eine operative Behandlung wird in Erwägung gezogen, wenn die konservative Therapie nicht zum gewünschten Erfolg führt oder wenn strukturelle Schäden vorliegen, die eine chirurgische Versorgung erfordern. Die Indikation zur Operation hängt von verschiedenen Faktoren ab: dem Alter des Patienten, dem Aktivitätsniveau, der Art und Häufigkeit der Instabilitätsepisoden sowie den anatomischen Gegebenheiten.

Bei jungen, sportlich aktiven Patienten mit traumatischer anteriorer Instabilität und nachgewiesenen Labrumläsionen ist die operative Therapie oft die Behandlung der Wahl. Moderne arthroskopische Verfahren ermöglichen eine minimal-invasive Rekonstruktion der beschädigten Strukturen. Die arthroskopische Bankart-Reparatur ist das Standardverfahren bei anteriorer Instabilität mit Labrumablösung.

Bei komplexeren Instabilitätsformen oder bei Versagen vorheriger Operationen können offene Operationsverfahren notwendig werden. Hierzu gehören die offene Bankart-Reparatur, die Latarjet-Operation bei knöchernen Defekten oder Kapselraffungen bei multidirektionaler Instabilität. Die Wahl des Operationsverfahrens richtet sich nach den individuellen anatomischen Gegebenheiten und dem Instabilitätsmuster.

Die Nachbehandlung nach einer Schulteroperation ist entscheidend für den langfristigen Erfolg. In der Regel folgt eine mehrwöchige Ruhigstellung in einer Schlinge, gefolgt von einem strukturierten Rehabilitationsprogramm. Die Rückkehr zum Sport erfolgt stufenweise und meist erst nach vier bis sechs Monaten.

Vier effektive Übungen bei einer Schulterinstabilität

Die folgenden Übungen können helfen, die Schultermuskulatur zu kräftigen und die Stabilität zu verbessern. Sie sollten jedoch nur nach Rücksprache mit einem Arzt oder Physiotherapeuten durchgeführt werden:

Wichtiger Hinweis: Alle Übungen sollten schmerzfrei durchgeführt werden. Bei zunehmenden Beschwerden brechen Sie die Übungen ab und konsultieren Sie Ihren Arzt oder Physiotherapeuten. Die Übungen ersetzen keine professionelle medizinische Behandlung und sollten idealerweise unter Anleitung eines qualifizierten Therapeuten erlernt werden.

Übung 1

Stellen Sie sich etwa eine Armlänge vor eine Wand und legen Sie die Handflächen flach gegen die Wand. Führen Sie langsame Liegestütze gegen die Wand durch, wobei Sie darauf achten, dass die Schulterblätter zusammengezogen werden. Diese Übung kräftigt die Brustmuskulatur und die vorderen Schultermuskeln. Beginnen Sie mit 10-15 Wiederholungen.

Übung 2

Befestigen Sie ein Theraband auf Ellenbogenhöhe und halten Sie das andere Ende mit der betroffenen Hand. Der Ellenbogen liegt am Körper an. Rotieren Sie den Unterarm langsam nach außen gegen den Widerstand des Bandes. Diese Übung stärkt die äußeren Rotatoren der Rotatorenmanschette. Führen Sie 15-20 Wiederholungen durch.

Übung 3

Ziehen Sie im aufrechten Stand oder Sitz die Schulterblätter zusammen, als würden Sie einen Stift zwischen ihnen einklemmen wollen. Halten Sie diese Position für 5-10 Sekunden und entspannen Sie dann wieder. Diese Übung verbessert die Stabilität des Schulterblatts und korrigiert eine nach vorne gezogene Schulterposition. Wiederholen Sie 10-15 Mal.

Übung 4

Stehen Sie seitlich zur Wand und drücken Sie mit dem Handrücken gegen die Wand, als würden Sie den Arm zur Seite heben wollen. Halten Sie diese Anspannung für 10-15 Sekunden ohne Bewegung. Diese isometrische Übung kräftigt die seitlichen Schultermuskeln schonend. Wiederholen Sie 8-10 Mal.

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