Was ist eine Schultersteife?

Die Schultersteife, medizinisch als Frozen Shoulder oder Adhäsive Kapsulitis bezeichnet, ist eine schmerzhafte Erkrankung des Schultergelenks, bei der es zu einer Entzündung und Verdickung der Gelenkkapsel kommt. Diese Verdickung führt zu einer erheblichen Einschränkung der Beweglichkeit der Schulter in alle Richtungen. Die Schultersteife betrifft etwa 2-5% der Bevölkerung und tritt häufiger bei Frauen zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr auf.

Die Erkrankung entwickelt sich typischerweise in drei Phasen: der schmerzhaften Einfrierungsphase (2-9 Monate), der steifen Gefrorenen-Phase (4-12 Monate) und der Auftauphase (12-42 Monate), in der die Beweglichkeit langsam zurückkehrt. Ohne Behandlung kann eine Schultersteife bis zu drei Jahre andauern.

Symptome der Schultersteife

Die Schultersteife äußert sich durch charakteristische Beschwerden, die sich über Monate entwickeln und verstärken. Betroffene leiden unter zunehmenden Schulterschmerzen und einer progressiven Bewegungseinschränkung, die alltägliche Aktivitäten erheblich beeinträchtigt.

Typische Symptome im Überblick

  • Starke Schulterschmerzen, besonders nachts und in Ruhe
  • Massive Bewegungseinschränkung in alle Richtungen (besonders Außenrotation und Abduktion)
  • Unfähigkeit, den Arm hinter den Rücken zu führen (z.B. beim Anziehen oder Waschen)
  • Probleme beim seitlichen Anheben des Arms über Schulterhöhe
  • Nächtliche Schmerzen, die den Schlaf erheblich stören
  • Steifigkeitsgefühl in der Schulter, besonders morgens
  • Schwierigkeiten bei alltäglichen Tätigkeiten wie Anziehen, Kämmen oder Autofahren
  • Schmerzausstrahlung in den Oberarm und gelegentlich bis zum Ellenbogen

Ursachen der Schultersteife

Die Schultersteife kann primär (idiopathisch) oder sekundär auftreten. Bei der primären Form ist die genaue Ursache unbekannt, während die sekundäre Form durch andere Erkrankungen oder Verletzungen ausgelöst wird.

Primäre Schultersteife entsteht ohne erkennbare Ursache, wobei folgende Risikofaktoren eine Rolle spielen: Diabetes mellitus (5-fach erhöhtes Risiko), Schilddrüsenerkrankungen, weibliches Geschlecht, Alter zwischen 40-60 Jahren und genetische Veranlagung.

Sekundäre Schultersteife entwickelt sich infolge von Schulterverletzungen wie Knochenbrüchen oder Sehnenrissen, nach operativen Eingriffen an der Schulter, durch längere Ruhigstellung des Arms, bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, nach Herzinfarkten oder bei neurologischen Erkrankungen wie Schlaganfall oder Parkinson.

Weitere begünstigende Faktoren sind Autoimmunerkrankungen, chronische Entzündungsprozesse und bestimmte Medikamente. Stress und psychische Belastungen können den Krankheitsverlauf zusätzlich negativ beeinflussen.

Diagnose der Schultersteife

Die Diagnose einer Schultersteife basiert primär auf der klinischen Untersuchung und der charakteristischen Anamnese. Der Arzt führt spezielle Bewegungstests durch, um das typische Bewegungsmuster einer Frozen Shoulder zu identifizieren.

Klinische Untersuchung: Charakteristisch ist die erhebliche Einschränkung sowohl der aktiven als auch der passiven Beweglichkeit in alle Richtungen. Besonders betroffen sind die Außenrotation und die Abduktion (seitliches Anheben) des Arms. Der sogenannte „Frozen Shoulder Test“ zeigt eine deutliche Bewegungseinschränkung auch bei passiver Mobilisation durch den Untersucher.

Bildgebende Verfahren: Röntgenaufnahmen dienen dem Ausschluss anderer Erkrankungen wie Arthrose oder Kalkdepots. Eine Ultraschalluntersuchung kann Veränderungen der Gelenkkapsel darstellen. Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist besonders wertvoll, da sie die verdickte und entzündete Gelenkkapsel sowie Begleitverletzungen exakt darstellen kann.

Differentialdiagnose: Wichtig ist die Abgrenzung zu anderen Schultererkrankungen wie Rotatorenmanschettenverletzungen, Impingement-Syndrom oder Arthrose, die ähnliche Symptome verursachen können, aber unterschiedliche Behandlungsansätze erfordern.

Konservative Therapie der Schultersteife

Die konservative Behandlung steht bei der Schultersteife im Vordergrund und zeigt in den meisten Fällen gute Erfolge. Der Therapieansatz ist multimodal und an die jeweilige Krankheitsphase angepasst.

Medikamentöse Therapie: Entzündungshemmende Medikamente (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac reduzieren Schmerzen und Entzündung. In der akuten Phase können Kortikosteroide oral oder als Injektion in das Gelenk verabreicht werden, um die Entzündungsreaktion zu dämpfen.

Physiotherapie: Spezielle Mobilisationsübungen und manuelle Therapie sind essentiell für die Wiederherstellung der Beweglichkeit. Die Behandlung muss behutsam erfolgen, um keine zusätzliche Entzündungsreaktion zu provozieren. Wärme- und Kältetherapie können die Schmerzen lindern und die Beweglichkeit verbessern.

Zusätzliche Verfahren: Stoßwellentherapie und Akupunktur können als ergänzende Behandlungen eingesetzt werden. Hydrodilatation (Gelenkkapseldehnung durch Flüssigkeitsinjektion) ist ein spezielles Verfahren, das die Kapsel dehnt und die Beweglichkeit verbessern kann.

Die konservative Therapie erfordert Geduld, da die Heilung Monate dauern kann. Regelmäßige Physiotherapie und eigenständige Übungen sind entscheidend für den Behandlungserfolg.

Operative Therapie der Schultersteife

Eine operative Behandlung wird nur dann erwogen, wenn die konservative Therapie nach 6-12 Monaten keine ausreichende Besserung bringt oder die Beschwerden unerträglich sind.

Arthroskopische Kapsulotomie: Dies ist der häufigste operative Eingriff bei Schultersteife. Über kleine Hautschnitte werden dünne Instrumente in das Schultergelenk eingeführt. Die verdickte und verklebte Gelenkkapsel wird gezielt durchtrennt und gelöst, wodurch die Beweglichkeit sofort verbessert wird. Der Eingriff erfolgt in Vollnarkose und ist minimal-invasiv.

Manipulation unter Narkose: Bei dieser Methode wird die Schulter unter Narkose kräftig bewegt, um Verklebungen zu lösen. Dieses Verfahren birgt jedoch ein höheres Risiko für Komplikationen und wird nur noch sehr selten angewendet.

Offene Kapsulotomie: In seltenen Fällen ist ein offener operativer Zugang notwendig, wenn arthroskopisch nicht alle Verklebungen gelöst werden können.

Nachbehandlung: Nach dem Eingriff ist eine intensive Physiotherapie unerlässlich, um die gewonnene Beweglichkeit zu erhalten und weiter zu verbessern. Die Nachbehandlung kann mehrere Monate dauern.

Die Erfolgsrate operativer Verfahren liegt bei über 90%, wobei die meisten Patienten eine deutliche Verbesserung ihrer Beweglichkeit und Schmerzreduktion erfahren.

Fünf effektive Übungen bei Schultersteife

Diese Übungen sollten regelmäßig und vorsichtig durchgeführt werden. Bei starken Schmerzen pausieren Sie und konsultieren Sie Ihren Physiotherapeuten oder Arzt.

Wichtiger Hinweis: Alle Übungen sollten schmerzfrei durchgeführt werden. Bei zunehmenden Beschwerden brechen Sie die Übungen ab und konsultieren Sie Ihren Arzt oder Physiotherapeuten. Die Übungen ersetzen keine professionelle medizinische Behandlung und sollten idealerweise unter Anleitung eines qualifizierten Therapeuten erlernt werden.

Übung 1

Lehnen Sie sich mit der gesunden Hand auf einen Tisch und lassen Sie den betroffenen Arm locker hängen. Schwingen Sie den Arm sanft vor und zurück, dann seitlich und in kleinen Kreisen. Die Bewegung soll aus dem Körperschwung kommen, nicht aus der Schultermuskulatur. Führen Sie die Übung 2-3 Minuten durch.

Übung 2

Halten Sie ein Handtuch mit beiden Händen, eine Hand oben über der Schulter, die andere unten am Rücken. Ziehen Sie vorsichtig mit der gesunden Hand das Handtuch nach unten und bewegen Sie so den betroffenen Arm nach oben. Halten Sie die Position 15-30 Sekunden und wiederholen Sie 10-15 Mal.

Übung 3

Stellen Sie sich seitlich zu einer Wand, etwa eine Armlänge entfernt. Lassen Sie Ihre Finger langsam an der Wand nach oben „klettern“, so hoch wie es ohne starke Schmerzen möglich ist. Halten Sie die Position kurz und klettern Sie langsam wieder nach unten. Wiederholen Sie 10-15 Mal.

Übung 4

Stellen Sie sich in einen Türrahmen und legen Sie den Unterarm der betroffenen Seite gegen den Rahmen (Ellenbogen auf Schulterhöhe). Machen Sie einen kleinen Schritt nach vorne, um eine sanfte Dehnung in der vorderen Schulter zu spüren. Halten Sie 30 Sekunden und wiederholen Sie 3-5 Mal.

Übung 5

Halten Sie ein Handtuch mit beiden Händen vor dem Körper. Ziehen Sie das Handtuch auseinander, wobei Sie den betroffenen Arm nach außen drehen (externe Rotation). Halten Sie die Spannung 5-10 Sekunden und entspannen Sie dann. Wiederholen Sie 10-15 Mal.

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